Versicherungsschutz für Cannabinoidtherapie

Autor: Alexandra Latour

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Kanadische Unternehmen haben in Ontario erfolgreich einen Versicherungsschutz für therapeutische Cannabinoidbehandlungen gestartet. Diese BuyWell-Plattform soll jetzt auch in Europa eingeführt werden.

Versicherungsschutz für Cannabinoidtherapie

Einem Medienbericht zufolge jetzt das kanadische Cannabisunternehmen ICC International Cannabis mit der Evergreen Pacific Insurance sowie der Cannops Consulting eine Absichtserklärung unterzeichnet. Geplant ist die Einführung einer Joint-Venture-Partnerschaft, um den Versicherungsschutz für die therapeutische Cannabinoidbehandlung über die BuyWell Care-Plattform in Europa einzuführen.

Versicherungsschutz mit garantierter Ausgabe von Cannabis-Rezepten

Evergreen Pacific hat in Kanada im vergangenen Jahr das BuyWell Care-Programm als ersten erweiterten Versicherungsschutz mit garantierter Ausgabe von Cannabis-Rezepten. Patienten aus Ontario können dieses Programm bereits nutzen und erhalten Zugang zu verschiedenen Versicherungsleistungen für die therapeutische Cannabinoidbehandlung. Folgende Leistungen stehen zur Verfügung:

  • Versicherungsschutz für Cannabinoidtherapie über die Plattform
  • Online-Versicherungsschutz für Medizinalhanf durch die Anwendung einer eigenen Preispolitik
  • Zugang zu alternativen Gesundheitsleistungen
  • CBD-Gesundheits-/Wellness-E-Commerce-Marktplatz
  • Bildungsplattform für Mediziner
  • erweiterter Versicherungsschutz für Europa

In Europa soll das Programm ebenfalls eingeführt werden. Da es in der Europäischen Union mehr als 500 Millionen potenzielle Verbraucher sowie über 1,6 Millionen Gesundheitsdienstleister hat, sehen die Unternehmen hier einen lukrativen Marktplatz für die Einführung ihres BuyWell Care-Systems. Dabei verzeichnete die EU im vergangenen Jahr Gesundheitsausgaben von rund 1,8 Billionen Dollar.

Die patientenorientierte Plattform zielt darauf ab, die „Marktbedürfnisse des alternativen Gesundheitsbereichs in Europa zu erfüllen“, heißt es in dem Bericht. Hierzu wollen die Unternehmen unter anderem eine einfache und kostengünstige alternative Gesundheitsversorgung bereitstellen. Unterstützung erfahren die Patienten dabei durch klinische Dienstleistungen und Nachbehandlungen sowie Bildungsressourcen.

„Wir freuen uns, diese Form des erweiterten Versicherungsschutzes auf den europäischen Markt zu bringen – zu einer Zeit, in der viele Patienten ihr Behandlungsprogramm um medizinisches Cannabis erweitern möchten. Die Möglichkeit, unseren Patienten bei ihren Rezepten für medizinisches Cannabis Geld zu sparen und eine patientenfreundliche Lösung ohne Auslagen zu bieten, ist etwas Revolutionäres“, “, führte Heather Gray von BuyWell Care aus.

Bedürfnisse medizinischer Cannabispatienten

Mithilfe des Programms sollen die Bedürfnisse von Cannabispatienten erfüllt werden. Hier sehen die Unternehmen einen großen Bedarf an patientenorientierten Gesundheitslösungen, der aktuell vom Markt nicht gedeckt wird.

Darüber hinaus soll es betreute Bildungsdienstleistungen für Patientengruppen und Mediziner geben. Zudem will man den Zugang zu medizinischen Beratungsdienstleistungen verbessern und die Erschwinglichkeit der Gesundheitsbehandlungen gewährleisten. Zur Kostensenkung soll der erweiterte Versicherungsschutz dienen. Außerdem soll auch eine fachübergreifende paramedizinische Dienstleistung angeboten werden. Diese sollen die Rezeptverordnung, das Auftragsmanagement und den Kundenservice sowie die Transaktionsabwicklung, Schadensmanagement und Verwaltung durch Dritte unterstützen.

ICC International Cannabis nutzt europäisches Vertriebsnetz

ICC International Cannabis verfügt laut eigenen Angaben über ein „exklusives“ europäisches Vertriebsnetz mit mehr als 40 000 Apotheken in 16 Ländern. Aus diesem Grund sieht sich das Unternehmen in der Lage, die Nachfrage in Europa zu decken.

„International Cannabis kontrolliert Lizenzen für die Herstellung von medizinischem Cannabis und CBD in zwölf europäischen Ländern und ist nun bereit, in den jeweiligen Ländern umfassende alternative Lösungen für das Versicherungs- und Gesundheitswesen anzubieten. Das Unternehmen freut sich, an nahezu jedem Glied der Wertschöpfungskette von medizinischem Cannabis beteiligt zu sein – von der Produktion über den Vertrieb bis hin zum Gesundheitswesen und dem Versicherungsschutz. Dies ist eine revolutionäre Entwicklung, die eine Komplettlösung bietet, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Allgemeinheit zu fördern und zu unterstützen“, führte Eugene Beukman, Chief Executive Officer und Director von ICC aus.

Weiter erklärte er, dass die Erprobung des BuyWell-Ökosystems in Kanada bereits erfolgreich verlief. Die Übertragung dieses Erfolgs nach Europa sei jetzt geplant.

„Evergreen Pacific ist ein echter Innovator, der auf den Versicherungs-, Gesundheits- und Wellnessmärkten tätig ist, was durch die Einführung des ersten Versicherungsschutzes mit garantierter Ausgabe für Rezepte für medizinisches Cannabis untermauert wird. Das europäische BuyWell-Ökosystem wird auf drei Säulen basieren, die das gesamte Spektrum des Marktplatzes für medizinisches Cannabis und CBD abdecken – vom Vertrieb über die Ausbildung bis hin zum Versicherungsschutz. Während sich die medizinische Cannabisbranche weiterentwickelt, werden International Cannabis und seine Partner an vorderster Front stehen und damit in Zusammenhang stehende Zusatzleistungen erbringen“, so Beukman.

Abkommen mit Cosmos Holdings

ICC International Cannabis hat laut dem Bericht ein exklusives Abkommen mit Cosmos Holdings unterzeichnet, um seine Cannabis-Produkte in die Apotheken der verschiedenen Länder verkaufen zu können. Zudem werde das europäische Vertriebsnetz durch verschiedene Mehrwertdienste ergänzt, wie beispielsweise Beschaffung, Lagerung, Produktregistrierung und behördliche Vertretung.

Zusammenarbeit mit Wayland

Darüber hinaus heißt es, dass ICC International Cannabis mit der Wayland Ground eine Absichtserklärung unterzeichnet hat, um rund 50 Prozent des internationalen Aktivum- und Lizenzportfolios von Wayland zu kaufen. Gemäß dem dreijährigen Abkommen ist die Lieferung von Medizinalhanf an 2 200 deutsche Apotheken geplant.

Bereits im Oktober 2018 hatten wir berichtet, dass Wayland mit dem Kölner Unternehmen Cannamedical ein Lieferabkommen für medizinische Cannabisblüten unterzeichnet hat (Leafly berichtete).

Wird es diesen Versicherungsschutz für Cannabispatienten auch in Deutschland geben?

In dem Bericht heißt es, dass der Kauf der medizinischen Cannabis- und CBD-Produkte zu Großhandelspreisen geplant sei. Anschließend erfolgen Verkauf und Vertrieb über das europaweite BuyWell-Ökosystem. Ergänzt werden die Bestände durch die Produktionskapazitäten von ICC International Cannabis in den folgenden Ländern:

  • Deutschland
  • Polen
  • Dänemark
  • Bulgarien
  • Griechenland
  • Italien
  • Portugal
  • Malta
  • Mazedonien
  • Schweiz

Gemeinsam mit Cannops erfolgt dann die Identifizierung europäischer Länder, in denen das BuyWell-Ökosystem als B2B oder B2C kopiert werden kann. Die Umsetzung erfolgt dann anschließend von Evergreen Pacific in den Ländern, in denen die Partner Medizinalhanf verschreiben und verkaufen können.

„Kanadische Versicherungsträger haben sich dazu entschieden, medizinisches Cannabis als vorab zugelassenes Arzneimittel (Pre-Authorized Drug) zu behandeln, was zu Ausschlüssen führt, die von kanadischen Versicherungsträgern im Rahmen herkömmlicher Gruppenversicherungspläne sowie von Arbeitgebern über Obergrenzen für Versicherungsleistungen auferlegt werden. Unser Versicherungsschutz wird zurzeit von der Alternative Health Association of Canada für Einzelpersonen als Mitgliedschaftsleistung ohne Obergrenzen und ohne Ausschlüsse angeboten. Die Mitgliedschaft in diesem Verband ist kostenlos und der Versicherungsschutz ist auf die Bedürfnisse eines jeden Mitglieds zugeschnitten,“ führte Robert Wilson, Chief Executive Officer von Evergreen Pacific aus.

Ob sich solch ein System in Deutschland umsetzen lässt, ist unklar. Wir bleiben auf jeden Fall dran und werden über die zukünftigen Entwicklungen berichten.

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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