Der steinige Weg für Cannabis-Patienten

Autor: Sandrina Koemm-Benson

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Alejandro José Häßlers Freude war schnell gedämpft. Denn obwohl ihm sein Facharzt Rezepte für pharmazeutisches Cannabis ausgestellt hat und seine Krankenkasse die Kosten dafür tragen würde, erhält er noch immer nicht seine Medizin. Schuld hat für ihn klar die Politik.

Der steinige Weg für Cannabis-Patienten

Häßler, der an ADHS/ADS leidet, ist einer von vielen Cannabis-Patienten. Er hat es schon mit vielen Medikamenten versucht – leider ohne gewünschten Erfolg: „Ich bin austherapiert, wie es im Medizinerdeutsch heißt“, sagt der Familienvater, der unter den Nebenwirkungen von Präparaten wie Ritalin oder Medikinet litt. Erst das Inhalieren von verdampften Cannabisblüten mit einem Cannabis-Vaporisator könne ihm dabei helfen, wieder einen geregelten Alltag zu führen.
Durch seine Krankheit war es dem 26-Jährigen nicht möglich, seine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Zudem musste er auch seinen Führerschein abgeben.

Eine lange, bürokratische Reise

Bereits vor zwei Jahren wurde ihm von dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nach Paragraf 3 Absatz 2 des Betäubungsmittelgesetzes die Erlaubnis erteilt, Cannabisblüten für medizinische Zwecke aus der Apotheke zu beziehen.
Doch damals weigerte sich die Krankenkasse für die monatlichen Kosten von etwa 1800 Euro aufzukommen und es war zudem schwierig, einen Arzt zu finden, der mit pharmazeutischem Cannabis weiterhelfen wollte. „Viele haben Berührungsängste mit dem Thema“, so Häßler. Auch wir berichteten bereits ausführlich darüber, wie zurückhalten Ärzte noch mit dem Thema umgehen.

Häßler stellte daraufhin einen Antrag für Eigenanbau von Hanfpflanzen. Angesichts eines Gesetzesentwurfs zögerte die zuständige Behörde ihre Entscheidung hinaus, woraufhin Häßler ohne Genehmigung anfing, Hanfpflanzen in seiner Wohnung anzubauen. Die Behörden bekamen dies jedoch mit, was für ihn eine Gerichtsverhandlung zur Folge hatte – allerdings zeigte sich der Richter milde.

Mit dem verabschiedeten Gesetz „Cannabis als Medizin“ im vergangenen März, stieg dann erneute Hoffnung auf, die jedoch schnell wieder gedämpft wurde, da die Kostenübernahme mit dem Gesetz noch nicht ganz geklärt gewesen sei. „Der medizinische Dienst hat zunächst immer wieder Wege gefunden, nein zu sagen“, so Häßler, „es dauerte, bis die Krankenkasse die Behandlung übernahm“.
Doch auch jetzt muss der Patient noch ohne seine Cannabis-Therapie leben. „Ich bekomme keine Cannabisblüten, weil die Apotheken keine Lieferungen erhalten.“, so Häßler.

Durch die hohe Nachfrage kommen die Produzenten nicht hinterher. Die Bundesregierung rechnete nicht mit so einer hohen Anzahl an Anträgen. 2017 sollen es 13 000 gewesen, berichtet Häßler, der in engen Austausch über die Lage mit Medizinern, Betroffenen und Interessengruppen steht. Außerdem ziehe sich das Lizenzverfahren hin, da viele Firmen klagen, wie Häßler weiter berichtete. Zudem würden viele Apotheken mit Wartelisten arbeiten: „Ich habe im Oktober eine Bestellung aufgegeben, aber bis dato noch keine Cannabisblüten erhalten“, so Häßler, der sich mit einem Schreiben jetzt auch an alle Parteien und verantwortlichen Politiker wenden will: „Die Politik muss klare Kante zeigen, denn die Betroffenen brauchen zeitnahe Lösungen.“

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