Welche Cannabis-Medikamente sind in Deutschland legal? – der große Überblick

Allgemein herrscht rund um Informationen zu Medikamenten und Präparaten aus Cannabis eine große Verwirrung. Welche Präparate sind legal und welche sind verschreibungspflichtig? Sind alle Produkte aus Cannabis oder mit Cannabinoiden wie THC und CBD in Deutschland erhältlich? Und was hat es eigentlich mit den „Tränen des Phönix“ auf sich? Leafly.de beantwortet im folgenden Beitrag alle offenen Fragen.

Welche Cannabis-Medikamente sind in Deutschland legal? – der große Überblick

Verschreibungspflichtige Cannabis-Medikamente, die in Deutschland erhältlich sind:

  •         Cannabisblüten verschiedener Importeure
  •         Canemes-Tabletten (Wirkstoff: Nabilon)
  •         Sativex Mundspray (Wirkstoff: Nabiximol)
  •         Dronabinol (THC-Öl)
  •         Cannabis-Vollspektrum-Extrakte Tilray THC25 und THC10:CBD10

Cannabisblüten & -sorten als Medikament

Wir möchten zunächst auf die Cannabissorten eingehen, die für die Medizin relevant sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die Cannabisagentur eingerichtet, die den staatlich kontrollierten Cannabisanbau in Deutschland überwachsen soll. Jedoch ist vor den Jahren 2019/2020 nicht damit zu rechnen, dass Cannabisblüten auf den Markt kommen, weshalb diese von verschiedenen Unternehmen nach Deutschland importiert werden müssen. Abgegeben werden die Cannabisblüten in den Apotheken in Dosen von 5 oder 10 Gramm.

Folgende Cannabissorten sind erhältlich:

CannabissorteTHC-GehaltCBD-Gehalt
Bedrocanca. 22 Prozentbis zu 1 Prozent
Bedrobinolca. 13,5 Prozentbis zu 1 Prozent
Bedica (granuliert)ca. 14 Prozentbis zu 1 Prozent
Bediol (granuliert)ca. 6,3 Prozentca. 8 Prozent
Bedrolite (granuliert)bis zu 1 Prozentca. 9 Prozent
Bakerstreetca. 23,4 Prozentweniger als 0,5 Prozent
Houndstoothca. 20,3 Prozentweniger als 0,5 Prozent
Princetonca. 16,5 Prozentweniger als 0,5 Prozent
Penelopeca. 10,4 Prozentbis zu 7,5 Prozent
Argyleca. 5,4 Prozentca. 7 Prozent
Pedanios 22/1ca. 22 Prozentbis zu 1 Prozent
Pedanios 20/1ca. 20 Prozentbis zu 1 Prozent
Pedanios 18/1ca. 18 Prozentbis zu 1 Prozent
Pedanios 16/1ca. 16 Prozentbis zu 1 Prozent
Pedanios 14/1ca. 14 Prozentbis zu 1 Prozent
Pedanios 8/8ca. 8 Prozentca. 8 Prozent

Cannabis-Tabletten & Öle: verschreibungspflichtige Fertigarzneimittel

Hierzulande gibt es aktuell die Verschreibungsmöglichkeiten für die Fertigarzneimittel Canemes und Sativex sowie das Rezepturarzneimittel Dronabinol.

Dronabinol

Bei Dronabinol handelt es sich um die international gültige Bezeichnung für den Hauptwirkstoff Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) der Hanfpflanze Cannabis Sativa. Apotheker erhalten Dronabinol als Harz und erstellen hieraus ein Öl, dessen Anwendung oral erfolgt. In den Vereinigten Staaten ist Dronabinol unter dem Handelsnamen Marinol erhältlich und zur Behandlung von Kachexie und Anorexie bei einer HIV-/AIDS-Erkrankung sowie in der Krebstherapie als Antiemetikum in der Krebstherapie zugelassen.

Canemes

Canemes-Kapseln kaufen Sie in der Apotheke mit einem gültigen Rezept und nehmen sie wie Cannabis-Tabletten ein. Die Arzneimittel enthalten den Wirkstoff Nabilon, ein vollsynthetisches THC-Analogon. Die Wirkung von Nabilon ähnelt der von Dronabinol, jedoch klagen Cannabispatienten seltener über Nebenwirkungen, weil es keine oder nur eine minimale Euphorie auslöst.

Sativex: Inhaltsstoffe

Das Mundspray Sativex® mit dem Wirkstoff Nabiximol (3,8 – 4,4 mg) ist seit 2011 erhältlich. Es enthält ein mit flüssigem Kohlenstoff extrahiertes Dickextrakt aus den Blüten und Blättern der Hanfpflanze Cannabis Sativa L., bei dem das Mengenverhältnis von Tetrahydrocannabinol (bzw. Dronabinol oder kurz THC) zu Cannabidiol (CBD) standardisiert ist. Derzeit wird Sativex® in der Medizin gegen Multiple Sklerose und damit einhergehenden Schmerzen eingesetzt. Ein weiteres THC-Analogon namens Levonantradol wird für Forschungszwecke verwendet, jedoch nicht an Patienten ausgegeben.

Cannabis Vollspektrum Extrakte

Der kanadische Hersteller Tilray hat Cannabis Vollspektrumextrakte für die Medizin entwickelt, die neben den Hauptwirkstoffen THC und CBD alle weiteren Inhaltsstoffe der Cannabisblüten wie beispielsweise Terpene enthalten. Bis Oktober 2017 waren solche Cannabisextrakte hierzulande nicht verfügbar.

Zu den Produkten gehören das Cannabisextrakt „THC25“, das einen THC-Gehalt von 25 mg/ml und einem CBD-Gehalt von unter 0,5 mg/mlaufweist, sowie „THC10:CBD10“ mit einem THC- und CBD-Gehalt von 10 mg/ml. Beide Cannabisextrakte sind in Traubenkernöl raffiniert und werden nach Vorlage des BTM-Rezeptes bei Bedarf von Apotheken für die orale Darreichung zubereitet.

Ist Rick Simpson Öl („Tränen des Phönix“) ein Medikament?

Der aus Kanada stammende Rick Simpson hat sich nach eigenen Angaben von seinem im Jahr 2002 diagnostizierten Hautkrebsleiden mithilfe seines selbst hergestellten Cannabisöls geheilt. Auf seiner Webseite erklärt Simpson, dass Cannabis die „Antwort der Natur auf Krebs“ sei und dass rund 5 000 Krebskranke mit seinem Cannabisöl geheilt werden konnten.

  • Das Rick Simpsons Öl (RSO) ist nicht käuflich. Vielmehr stellt Simpsons auf seiner Webseite eine Anleitung für die Herstellung des Öls kostenlos zur Verfügung.
  • Um 60 Milliliter des Cannabisöls herzustellen, nutzt Simpson 450 Gramm Cannabisblüten der Cannabissorte Indica oder indicadominante Sativa-Kreuzungen mit nicht mehr als 10 Prozent Sativa. Der Kauf einer solchen Menge an Cannabisblüten ist nicht nur sehr teuer, sondern auch höchst illegal.
  • Heraus kommt ein extrem starkes Cannabisöl mit einem THC-Gehalt von 90 Prozent oder mehr.
  • Über einen Zeitraum von drei Monaten sollen Patienten das Cannabisöl langsam bis auf 1 Gramm pro Tag aufdosieren, damit der Körper eine Toleranz aufbauen kann.

Rick Simpsons Aussagen bezüglich der Dosierung als auch seine Empfehlungen müssen kritisch beurteilt werden. So empfiehlt er Patienten, die Blutdruckmedikamente einnehmen, die Dosis zu reduzieren, da das Cannabisöl eine blutdrucksenkende Wirkung besitzt. Diabetes-Patienten wird versprochen, dass sie ihren Insulinbedarf nach einer längeren Einnahme des Cannabisöls verringern können und dass sie ihren Körper vor Folgeschäden durch die Diabetes-Erkrankung schützen.

Wir müssen an dieser Stelle unbedingt davor warnen, die Dosis der von einem Arzt verordneten Medikamente eigenmächtig zu reduzieren oder ganz abzusetzen. Rick Simpson ist kein Arzt und seine Aussagen sind fahrlässig, denn ein solches Vorgehen kann lebensgefährlich sein.

Des Weiteren ist anzumerken, dass keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege für die krebsheilende Wirkung des Rick Simpsons Öls existieren. Es finden sich lediglich Hinweise darauf, dass die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) aus Cannabis bei Mäusen und Ratten krebshemmend sein könnten.

In der von Simpsons immer wieder erwähnten Studie aus dem Jahr 2006 des Biochemikers Manuel Guzmán, erhielten neun schwer an Krebs erkrankte Patienten mit einem aggressiven Hirntumor THC über einen Katheter in das Gehirn. Bei einigen Teilnehmern konnte beobachtet werden, dass sich die Wachstumsrate der Tumore verringerte.

Die Ergebnisse geben Hoffnung für die Medizin, jedoch ist immer noch unklar, wie genau Cannabinoide auf den komplexen menschlichen Organismus wirken, weshalb viele weitere Studien und Untersuchungen – vor allem am Menschen – notwendig sind.

CBD-Öl: Ist das Cannabis-Medikament in Deutschland legal?

Cannabidiol (CBD) ist vor allem in Faserhanf enthalten und im Vergleich zu Tetrahydrocannabinol (THC) kein psychoaktives Cannabinoid. Für die Herstellung von CBD-Öl sind nur Hanfsorten zugelassen, deren THC-Gehalt unter 0,2 Prozent liegt, weswegen der Kauf und die Nutzung des Öls legal sind. Unter anderem sind CBD-Öle auch in Apotheken erhältlich.

Je nach Hersteller kann die Qualität des CBD-Öls variieren. Hochwertige Öle zeichnen sich unter anderem durch Reinheits- und Analysezertifikate aus. Denn nur ein schonendes Extraktionsverfahren kann höchste Qualität bieten. Extraktion bedeutet, dass die Inhaltsstoffe des Faserhanfs mithilfe eines Lösungsmittels in ihre Bestandteile aufgelöst werden.

Giftige Lösungsmittel wie Butan, Propan, Kohlenwasserstoffe oder Hexan sollten hier nicht zum Einsatz kommen. Empfohlen werden CBD-Öle, die mittels CO2-Extraktionsverfahren hergestellt wurden, da hierdurch die aktiven Wirkstoffe erhalten bleiben.

Auf dem Etikett des CBD-Öls sollten folgende Angaben stehen:

  •         CBD-Konzentration (max. 10 %)
  •         weitere aktive Cannabinoide (CBC, CBG, CBN, CBDA)
  •         THC-Gehalt (max. 0,2 %)
  •         Angaben zu den Ölen, die zur Auflösung des CBDs verwendet wurden
  •         Produktionsnummer und Herstellungsdatum

Dem Cannabinoid CBD werden folgende Eigenschaften zugesagt:

  •         schmerzlindernd
  •         antibakteriell
  •         entzündungshemmend
  •         antioxidativ
  •         antiepileptisch
  •         angstlösend / antidepressiv

CBD-Öl kann therapeutische Vorteile bei verschiedenen Beschwerden haben. Die Wirksamkeit des Öls ist jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen.

Cannabis-Pflege-Produkte bzw. Topicals in der Medizin

Cannabis-Pflege-Produkte enthalten unter anderem ungesättigte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, die sich positiv auf die Haut auswirken können. So kann sich die Haut durch die Behandlung mit Cannabis-Produkten regenerieren, stärken und zellerneuernd wirken. Gleichzeitig wird die natürliche Schutzfunktion der Haut mit der Medizin gestärkt. Außerdem soll das in den Cannabis-Produkten enthaltene CBD entzündungshemmend wirken und die Antioxidantien dafür sorgen, dass die Haut elastisch bleibt.

Auch die Haare können von Produkten auf Hanfbasis profitieren. Geeignet sind Hanf-Shampoos vor allem für trockenes Haar und empfindliche Kopfhaut. Hierzulande sind derzeit ausschließlich Cannabis-Pflege-Produkte zugelassen, die keinen THC-Gehalt aufweisen.

Quellen:

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: „Cannabis als Medizin

Rick Simpson: http://phoenixtears.ca/

Department of Biochemistry and Molecular Biology I, School of Biology, Complutense University, C/José Antonio Novais s/n, 28040 Madrid, Spain, M Guzmán et al., 2006, “A pilot clinical study of Δ9-tetrahydrocannabinol in patients with recurrent glioblastoma multiforme

 

 

Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

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