CBD und Cannabinoide bei der Wundheilung

Autor: Dr. Christine Hutterer

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Ob CBD oder andere Cannabinoide bei der Wundheilung helfen können? Von CBD ist bekannt, dass es entzündungshemmend, antiseptisch und schmerzlindernd wirkt. Studien zu CBD und THC in der Behandlung von Wunden fehlen jedoch weitgehend. Eine Analyse.

CBD und Cannabinoide bei der Wundheilung

Alte Schriftstücke belegen, dass Cannabis schon vor tausenden von Jahren zur Behandlung von Schnitt- und Schürfwunden, von Brandverletzungen und Geschwüren angewendet wurde. Zwar konnte man noch nicht in die Chemie der Cannabispflanze eintauchen, wie heutzutage, doch man wusste um die schmerzlindernde, entzündungshemmende und antiseptische Wirkung. Inzwischen versucht man, die Wirkung auch wissenschaftlich zu verstehen. Herausgefunden hat man bisher, dass das Endocannabinoidsystem auch in der Haut wichtige Funktionen erfüllt. Dies beeinflusst auch die Wundheilung

Das Endocannabinoidsystem in der Haut

Die Haut dient an oberster Stelle als mechanische Barriere gegen konstante Angriffe auf den Körper durch die Umwelt: Keime, Dreck, chemische Substanzen, UV-Licht, Kälte, Wärme, … Doch damit nicht genug.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Haut und ihr angegliederte Teile (Haarfollikel, Fett- und Schweißdrüsen) sowohl neurologische und immunologische als auch endokrine Prozesse steuern oder regulieren und damit als aktives neuro-immuno-endokrines Organ gesehen werden muss. An dieser Stelle kommt das Endocannabinoidsystem ins Spiel, das an allen Vorgängen in der Haut beteiligt ist – von den sensorischen Empfindungen der Haut, über Zellwachstum und Differenzierung, Immunkompetenz und/oder Immuntoleranz.

Die äußerste Hautschicht ist die Epidermis, die selbst aus verschiedenen Zellschichten besteht. Darunter liegt die Dermis, in der beispielsweise die Haarwurzeln und Schweißdrüsen liegen, periphere Nerven enden und Blutgefäße verlaufen. Glaubt man dem Grundsatz, dass in der Natur Systeme nur dann eingerichtet werden, wenn sie auch benötigt werden, dann hat das Endocannabinoidsystem in der Haut wichtige Funktionen zu erfüllen.

Denn sowohl in der Epidermis als auch in der Dermis finden sich die Cannabinoidrezeptoren (CB1 und CB2). Ebenso sind in beiden Schichten die Endocannabinoide Anandamid und 2-AG nachweisbar, sowie relevante Enzyme wie FAAH und MAGL zum Abbau der Endocannabinoide in den Zellen und NAPE-PLD zur Bildung von Anandamid und DAGL zur Bildung von 2-AG.

Dass das Endocannabinoidsystem nicht nur in der Haut platziert ist, sondern auch bei Veränderungen, Verletzungen oder Störungen im System aktiviert wird, hat man gezielt beobachtet. Nach einem entzündungsfördernden oder anderen irritierenden Reiz der Haut steigen die Konzentrationen der Endocannabinoide (Anandamid und 2-AG) in der Haut stark an.

Wissenschaftler vermuten, dass das eine adaptive Antwort des Körpers ist, um Schmerzen und Entzündungszustände zu reduzieren. Diese Vermutung wird durch weitere Beobachtungen unterstützt: Ist/Wird die Wirkung der Endocannabinoid-abbauenden Enzyme im Körper unterdrückt, hat das schmerzlindernde und antientzündliche Wirkungen.

Wie funktioniert die Wundheilung?

Als Wundheilung wird der Prozess des Körpers bezeichnet, bei dem eine Wunde verschlossen wird und das beschädigte Gewebe wiederhergestellt wird. Sobald der Körper eine Wunde hat, läuft die Wundheilung automatisch an.

Die Wundheilung verläuft in vier Phasen:

  1. Exsudative Phase
    Diese erste Phase der Wundheilung beginnt bereits wenige Minuten nach der Verletzung. Sie dauert einige Stunden und während dieser Wundheilungsphase setzt die Blutgerinnung ein und der Wundschorf bildet sich. Das Gewebe um die Wunder rötet sich und schwillt an.
  2. Resorptive Phase
    Diese zweite Phase der Wundheilung setzt fast zeitgleich mit der exsudativen Phase ein und dauert etwa bis zum dritten Tag. In diesem Zeitraum werden abgestorbene Zellen und Blutgerinnsel abgebaut, eventuell wird der Prozess von einer Entzündungsreaktion begleitet.
  3. Proliferationsphase
    Ab dem vierten Tag setzt die Proliferationsphase ein, in der die Wunde anfängt sich zu verschließen. Fibroblasten bilden dafür Kollagen, Neues Gewebe bildet sich.
  4. Reparationsphase
    Ab dem achten Tag nach der Verletzung entsteht helles Narbengewebe, das weder Talg- noch Schweißdrüsen besitzt.

Günstig für die Wundheilung sind zudem folgende Faktoren:

  • Sauerstoff (Wunde möglichst nicht luftdicht verschließen)
  • Vitamine (Gesunde Ernährung)
  • Wärme (die Wunde warm halten)
  • Zink (z.B. zinkhaltige Salben)

Wundheilung und Cannabinoide

Die Frage, die uns nun beschäftigt, ist ob und wie CBD bzw. andere Cannabinoide bei der Wundheilung helfen können. Von CBD ist bekannt, dass es entzündungshemmende, antiseptische und schmerzlindernde Wirkung hat. Studien zu CBD – und auch THC – in der Behandlung von Wunden fehlen jedoch weitgehend.

Eine Fallstudie untersuchte drei Patienten, die unter Dermatitis ulcerosa litten, einer schmerzhaften Erkrankung der Haut, bei der es großflächig zur Bildung eines Geschwürs (Ulzeration oder Ulkus) und zu einem Absterben der Haut kommt. Alle drei Patienten erhielten zur topischen Anwendung ein Cannabinoid-Öl, das sowohl THC als auch CBD enthielt. Die drei Patienten berichteten nach der Anwendung von deutlich geringeren Schmerzen, einer sehr rasch eintretenden Schmerzlinderung (innerhalb von fünf Minuten nach der Anwendung auf der Haut) und einer Abnahme der Opioide, die sie vorher genommen hatten.

Schwächen der Untersuchung liegen u.a. darin, dass nur drei Patienten beteiligt waren und dass es keine Kontrollgruppe gab, die ein anderes Cannabinoid-Öl oder ein Placebo erhalten hat.

Dennoch zeigen diese und weitere vorläufige Daten, dass Cannabinoide in der Wundheilung eine Rolle spielen könnten. Besonders offene Wunden scheinen von einer Behandlung zu profitieren. Auf intakter Haut haben es fettige Substanzen schwer, da sie kaum aufgenommen werden. Ist die Hautoberfläche jedoch verletzt, ist das Gewebe für fettige Substanzen zugänglich. THC und CBD können also in Hautwunden aufgenommen werden.

Welche Rolle das THC und welche das CBD – oder andere Cannabinoide – bei den Heilungsprozessen von Wunden hat, ist noch nicht bekannt. Es gibt aber Hinweise darauf, dass schon mit CBD alleine gute Wirkungen erzielt werden können, beispielsweise bei Brandwunden oder Narben.

In den USA hat man beispielsweise beobachtet, dass Opfer schwerer Verbrennungen viel häufiger Cannabis nutzen als die Durchschnittsbevölkerung. Die Autoren weisen zwar vor allem auf mögliche Belastungen des Gesundheitssystem durch die höhere Zahl an Cannabis-Abhängigen hin. Andersherum stellt sich aber die Frage, warum diese Personen vermehrt Cannabis einnehmen. Hier liegt die Vermutung nahe, dass es Beschwerden, die durch die starken Verbrennungen aufgetreten sind, lindern kann.

Anm. d. Autorin: Es wäre wünschenswert, wenn zukünftig genauer untersucht werden würde, ob und in welchem Maße CBD (und THC) die Wundheilung fördert und beschleunigt.

Quellen:

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