Zusatznutzen von Sativex bei MS-bedingten Spastiken

Autor: Alexandra Latour

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Das IQWiG kommt in einer neuen Bewertung von Studiendaten zu dem Ergebnis, dass MS-Patienten mit mittelschwerer bis schweren Spastiken, die auf herkömmliche antispastische Arzneimitteltherapien nicht ansprechen, von einer Behandlung mit Sativex profitieren können.

Zusatznutzen von Sativex bei MS-bedingten Spastiken

Im Deutschen Ärzteblatt wurde jetzt berichtet, dass für Patienten, die an Multiple Sklerose (MS) und damit einhergehenden mittelschweren bis schweren Spastiken und Krämpfen leiden, das Mundspray Sativex, ein Extrakt aus Cannabis, das die Cannabinoide Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) enthält, seit Mai 2011 zugelassen und wirksam ist.

MS und Spastiken – was ist das eigentlich?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die nicht heilbar ist. Das eigene Immunsystem schädigt hierbei die Nervenbahnen in Gehirn und Rückenmark. Infolge dessen kann es zu Schmerzen in Armen und Beinen, Gefühlsstörungen, Krämpfen, Lähmungen, Zittern und Schwindel kommen.

Dabei verläuft die Erkrankung meist in Schüben mit beschwerdefreien Intervallen zwischen den einzelnen akuten Krankheitsphasen. Bei einigen Betroffenen sind Teile der Muskulatur oder auch ganze Körperbereiche dauerhaft gelähmt oder verkrampft. Solche, von Gehirn oder Rückenmark ausgehenden Krämpfe, werden auch als Spastiken bezeichnet.

Lange wurde in Cannabis Sativa kein Zusatznutzen gesehen

In den Jahren 2011/2012 hatte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) geprüft, ob Cannabis gegenüber der Standardtherapie einen Zusatznutzen bietet. Damals verneinte das IQWiG dies. Im Juni 2012 sah dann aber der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen. Diese Entscheidung wurde auf drei Jahre befristet. Bis zum Mai dieses Jahres wurde diese Befristung dreimal verlängert.

IQWiG prüft neue Datenlage

Das IQWiG hat jetzt die Datenlage neu geprüft und kommt zu einem anderen Ergebnis als noch vor sechs Jahren. Nun ergibt die Studienlage einen Anhaltspunkt für den Zusatznutzen von Cannabis im Vergleich zu einer Standardtherapie. Für die Bewertung wurden zwei Studien mit 163 Teilnehmern herangezogen. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielten Sativex, während die andere Hälfte ein Placebo bekam. Zusätzlich bekamen alle Teilnehmer eine Therapie mit Dantrolen, Tizanidin und Baclofen. Nach drei Monaten zeigen sich dann folgende Ergebnisse:

  • Es fanden sich Hinweise, dass Sativex Muskelkrämpfe lindern kann. So besserten sich die Spastiken bei 85 bis 93 von 100 Personen. Ohne Cannabis war das bei ungefähr 41 bis 66 von 100 Personen der Fall.
  • Die Ergebnisse deuten bei Frauen auf einen Vorteil hin. Denn Frauen, die Cannabis nutzen, hatten weiniger Schmerzen durch die Spastiken als Frauen, die keine Cannabis-Behandlung bekamen. Hingegen zeigte sich bei Männern kein Unterschied.

Im Deutschen Ärzteblatt wird zu den Ergebnissen ausgeführt:

„… Neben diesen beiden positiven Effekten in der Endpunktkategorie Morbidität – einer nur bei Frauen – zeigen die Daten laut IQWiG keine negativen Effekte für THC/CBD im Vergleich zu einer optimierten antispastischen Standardtherapie.“

Der G-BA wird über das endgültige Ausmaß des Zusatznutzens entscheiden. Hier fließen neben der Nutzenbewertung des IQWiG noch die Dossiers der Hersteller sowie eine Stellungnahme der Ärzteschaft mit ein.

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