Zwei Jahre Cannabisgesetz: Evas Erfahrungen zwischen Euphorie und Ernüchterung

Ganz ehrlich: ich bin hin- und hergerissen. Persönlich feiere ich den 10. März und die Legali-sierung von Cannabis als Medizin in Deutschland. Theoretisch kann nun bereits seit zwei Jahren schwerstkranken Patienten geholfen werden mit Cannabis ihre Leiden zu lindern. Aber wie sieht die Realität aus?

Zwei Jahre Cannabisgesetz: Evas Erfahrungen zwischen Euphorie und Ernüchterung

Bei mir persönlich hat sich im Umfeld einiges geändert: Vor zwei Jahren wurde ich noch belächelt und schief angeguckt, wenn ich erzählt habe, dass ich mich für das Thema „Cannabis als Medizin“ starkmache als Botschafterin.

Die meisten konnten damit damals überhaupt nichts anfangen und sagten scherzhaft Sätze wie „Kiffst Du jetzt gegen Schnupfen oder was?!“.

Und jetzt – zwei Jahre später?

Sogar bei meiner 82-jährigen Mutter ist angekommen, dass Medizinalhanf nichts mit Kiffen oder Drogenkonsum zu tun hat. Ich habe hautnah miterlebt, wie in den vergangenen zwei Jahren die Patientenzahlen angestiegen sind, denn inzwischen werden auch in meinem persönlichen Umfeld einige Menschen mit Cannabis als Medizin therapiert.

Allgemein hat sich die Patientenzahl vervielfacht und die Nachfrage ist rasant angestiegen. Aus dem „European Cannabis Report“ geht hervor, dass die Patientenzahlen in Italien, den Niederlanden und Deutschland von 130.000 Patienten auf 225.000 Patienten in diesem Jahr ansteigen werden. Darüber hinaus erwarten die Experten, dass der Gesamtmarkt für medizinisches Cannabis bis 2028 auf 58 Milliarden Euro wachsen wird.

Wenn Sie sich allerdings mal unseren Leafly.de Realitätscheck anschauen, werden Sie merken, dass es an vielen Stellen noch hakt. Besonders die Zahlen der Patientenumfrage sprechen eine ganz andere Sprache. Immerhin halten inzwischen laut einer Umfrage 6 von 10 Hausärzten Cannabis für eine sinnvolle Therapieoption.

Gerade deswegen ist es so schade, dass die alltägliche Umsetzung des Gesetzes immer noch durch viele, vor allem bürokratische Hürden, erschwert wird. Die Krankenkassen genehmigen immer noch circa ein Drittel der Anträge nicht – auch wenn die Genehmigungsquote im Schnitt etwas höher liegt als noch vor einem Jahr.

Von einer Trendwende kann daher in Anbetracht unserer eigenen Umfrage zu „Zwei Jahre Cannabisgesetz“ leider noch nicht gesprochen. Außerdem bleibt nach wie vor die Versorgungslage der Cannabispatienten angespannt. Viele Ärzte fühlen sich weiterhin unsicher bei der Verordnung einer Cannabistherapie.

Sie sehen also: Wir müssen da noch viel tun!

Um so wichtiger ist es, dass wir weiterhin Aufklärungsarbeit leisten. Und da kann ich meinen Teil dazu beitragen aber vielleicht auch SIE! Wir suchen nämlich für unsere Patientenakten weiterhin Menschen, die Ihre Geschichte vor der Kamera erzählen!

Und es ist mir deshalb eine solche Herzensangelegenheit, weil all diese Geschichten ein und denselben Tenor haben: Die Patientinnen und Patienten haben in der Regel einen jahrelangen Krankheits- und Leidensweg mit herkömmlichen (Schmerz-)mitteln hinter sich. Oft mit Beigabe von Opioiden und sonstigen „Hämmern“.

All diese Patienten vereint, dass es ihnen mit der Cannabistherapie besser geht. Viele können sogar ihre sonstigen Medikamente reduzieren. Glauben Sie mir: ich bin nicht so naiv zu denken, Cannabis als Medizin sei ein Wundermittel und man könne dadurch alles andere absetzen. Nein, so ist es nicht.

Wahr ist: Selbst bei den schlimmsten Krankheiten konnte die Lebensqualität mit der Beigabe von Cannabis als Medizin wieder deutlich verbessert werden! Und ist das nicht ein maximal erstrebenswertes Ziel? Denn mal Hand aufs Herz: Wer ist heutzutage schon gesund?

Statistisch gesehen erkrankt jede(r) Zweite (!) in seinem Leben mindestens einmal an Krebs. Umso wichtiger ist es, gerade solche schweren (Krankheits-)Zeiten zumindest erträglich zu gestalten – und da kann Cannabis als Medizin einen entscheidenden und extrem wichtigen Beitrag dazu leisten!

In diesem Sinne: alles Liebe!

Und schreiben Sie uns gerne, wenn Sie uns Ihre Geschichte erzählen wollen: patienten@leafly.de

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