Leafly.de Patientenakten: Eine Zwischenbilanz über die Erfahrungen mit Krebspatienten

Autor: Uta Melle

Verõffentlicht am: 15. Juni 2018

Geändert am: 5. Juli 2018

In den letzten acht Monaten habe ich sechsundzwanzig Geschichten von Patienten, die mit Cannabis behandelt werden, geschrieben und mit vielen anderen gesprochen. Jedes Schicksal ist einzigartig, doch viele Probleme gleichen sich. In dem Artikel fasse ich meine Erkenntnisse aus den Gesprächen mit Patienten zusammen. Heute zum Thema Krebs.

Leafly.de Patientenakten: Eine Zwischenbilanz über die Erfahrungen mit Krebspatienten

Vor neun Jahren habe ich selbst gegen Brustkrebs gekämpft. Nachdem ich einen Knoten in meiner linken Brust entdeckte, wurde die Genmutation BRCA2 festgestellt. Eine beidseitige Mastektomie, eine Chemotherapie und die prophylaktische Eierstockentfernung haben mein Leben gerettet. Cannabis hat mir dabei geholfen, durchzuhalten, Mut zu haben, Leben zu wollen und bei vielen Problemen mehr. Nun spreche ich seit über einem Jahr als Patientenbeauftragte für die Leafly.de Patientenakten immer wieder mit Krebspatienten, deren Geschichten immer wieder erzählt werden sollten. Hier also meine Zwischenbilanz über die Erfahrungen mit Krebspatienten.

Cannabis ist kein Wundermittel, aber es unterstützt vieles

Cannabis ist natürlich kein Krebstherapeutikum – es kann aber eine sehr wichtige Unterstützung leisten. In ihrer langen Therapiephase haben es Krebspatienten mit vielen Schmerzen, Leiden und Problemen zu tun. Bei vielen kann Cannabis helfen. Hierbei ist der Erfolg beim Einsatz gegen die Schmerzen noch nicht mal der Punkt, der für mich herausragt. So wie ich die Patienten verstanden habe, waren die appetitanregende und die angstlösende Wirkung am wichtigsten.

Erfahrungen mit Cannabis in der Krebstherapie: Appetitanregend, Schmerz befreiend, entspannend, Angst befreiend

Yvonne und Vanessa haben beispielsweise durch die Behandlung mit Cannabis polyneuropathische Beschwerden und Nebenwirkungen der Chemotherapie auf ein erträgliches Level bringen können. Besonders beeindruckt hat mich Susannas Geschichte. Die Krebskriegerin konnte monatelang nichts essen, auch laufen konnte sie nicht mehr und sie wurde auf der Palliativstation schließlich künstlich ernährt. Nichts hat geholfen. Doch nach fünf Tagen mit Dronabinol ging es bergauf: Sie konnte wieder essen, wurde lebenslustiger und bald kam sie wieder nach Hause.

Auch Erik, dessen Langzeitchemotherapie gegen sein Glioblastom bei ihm enorme Übelkeit auslöste, hat dank des Verdampfens einer geringen Menge Cannabisblüten am Tag keine Probleme mehr, alles bei sich zu halten. Vor eineinhalb Jahren wurde ihm die tödliche Diagnose gestellt. Es geht ihm noch immer gut. Seine Dosierung ist noch immer die gleiche wie am Anfang. Er hält sich absolut daran, keinen Alkohol zu trinken – eine Empfehlung, die man nicht oft genug aussprechen kann.

Bei Sandra, deren muzinöses Brustkarzinom metastasiert ist, sagt, dass ihr das Dronabinol sehr gut gegen die polyarthritischen Nebenwirkungen der Chemotherapie hilft.  Auch sie bestätigt, dass sie durch die Behandlung mit Cannabinoiden die Angst überwinden konnte. Ihre mentale Stabilität schätzt sie heute stärker ein als vor der Krankheit.

Fazit zur Zwischenbilanz über die Erfahrungen mit Krebspatienten

Übereinstimmend sagten alle Krebspatienten, mit denen ich gesprochen habe, dass die Behandlung mit Cannabis noch einen weiteren sehr positiven Effekt auf sie hat: Es geht ihnen allen einfach mental besser. Das allein ist für einen Menschen, der in einer solch schweren, langen, schmerzhaften und lebensbedrohlichen Phase steckt, unbezahlbar. Ein Mensch, der Freude am Leben hat, leben will, wird eher gesund, als ein Mensch, der aufgibt.

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