Cannabis bei Fibromyalgie

Die Fibromyalgie ist eine Krankheit, die durch eine Vielzahl von Krankheitssymptomen gekennzeichnet ist. Bei jedem Patienten herrscht eine andere Kombination vor. Das vorrangigste Symptom, Muskel- und Bindegewebsschmerzen, ist nur eines von vielen belastenden Symptomen. Da bei vielen Beschwerden das Endocannabinoidsystem beteiligt ist, können Cannabinoide teilweise günstige Wirkungen haben.

Cannabis bei Fibromyalgie

Was ist Fibromyalgie?

Der Begriff „Fibromyalgie“ bedeutet „Faser-Muskel-Schmerz“ und beschreibt damit das im Vordergrund stehende Symptom: allgemeine Muskel- und Bindegewebsschmerzen sowie Druckschmerz über bestimmten Schmerzpunkten („Tender Points“).

Begleitet wird die Erkrankung von körperlichen als auch psychischen Symptomen, wie zum Beispiel Morgensteifigkeit, Wetterfühligkeit, Anschwellen der Hände, Füße sowie des Gesichts. Weitere typische Fibromyalgie-Symptome können Müdigkeit, Schlafstörungen, Antriebsschwäche und Konzentrationsschwierigkeiten sein. Aufgrund der vielfältigen Beschwerden, sprechen Ärzte auch vom Fibromyalgie-Syndrom.

Weitere Informationen zur Erkrankung Fibromyalgie und Therapie finden sie in diesem Artikel.

Fibromyalgie: Ursachen sind weiterhin unbekannt

Obwohl die zugrunde liegende/n Ursache/n noch immer unbekannt sind, wird die Krankheit den rheumatischen Erkrankungen zugeordnet. Rheumatologen sind die richtigen Ansprechpartner für diese Beschwerden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Diagnose meist erst nach vielen Jahren des Leidens gestellt werden kann. Denn weder bildgebende Verfahren noch Blutwerte können eindeutige Ergebnisse für die Diagnose liefern. Dementsprechend ist die Diagnostik sehr schwierig und oft langwierig.

Das Fibromyalgie-Syndrom verläuft chronisch und ist leider häufig therapieresistent. Das bedeutet, dass verschiedene Versuche der Behandlung keine oder nur unzureichende Verbesserungen bewirken. Viele Fibromyalgie-Patienten leiden daher trotz einer multimodalen Therapie unter starken chronischen Schmerzen und vielfältigen anderen Beschwerden. Eine multimodale Therapie kann zum Beispiel aus einer medikamentösen Therapie, Schmerztherapie mit Bewegungstherapie und einer kognitiven Verhaltenstherapie bestehen.

Diagnostik: Welche Symptome sind typisch für das Fibromyalgie-Syndrom?

Die Erkrankung tritt mit einer Vielzahl von Symptomen auf. Die meisten davon sind unspezifisch und können auch auf andere Krankheiten hinweisen oder sind eigene, behandlungsbedürftige Krankheiten.

Viele Betroffene leiden vor allem unter gelenknahen Schmerzen an der Wirbelsäule, Schultern, Ellbogen, Händen Knien oder Sprunggelenken. Oft zeigen sich auch Gefühlsstörungen in Armen und Beinen. Außerdem klagen Betroffene über schmerzhafte Muskelverspannungen im ganzen Körper, zum Beispiel am Hinterkopf, Brustbein, Gesichts- oder Kiefermuskulatur.

Darüber hinaus können folgende Beschwerden bei Betroffenen auftreten:

  • Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen
  • Kloßgefühl im Hals
  • Magen-Darm-Beschwerden, Darmträgheit
  • Ödeme
  • Menstruationsschmerzen
  • Herzjagen, Atemnot
  • vermehrte Kälteempfindlichkeit
  • vermehrtes Schwitzen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • seelische Verstimmungen, Angstgefühle, Depressionen

 

Welche anderen Erkrankungen können infrage kommen?

Bei der Diagnose sollten andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Problematisch ist, dass die Fibromyalgie nicht eindeutig durch ein bestimmtes Beschwerdebild beschrieben wird. Es gibt eine Vielzahl von Krankheiten, die solche Beschwerden auslösen können. Entscheidend ist, dass die zugrunde liegende Krankheit von Ärzten erkannt wird. Nur so können Therapie und Behandlung auch wirksam sein.

Verschiedene Erkrankungen können ähnliche Symptome hervorrufen und müssen von Ärzten abgeklärt werden (Differentialdiagnosen). Wenn dieser Krankheiten als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen werden können, bleibt die Diagnose Fibromyalgie übrig. Unter anderem können folgende Erkrankungen als Ursachen infrage kommen:

  • Myofasziales Schmerzsyndrom
  • Rheumatoide Arthritis, Weichteilrheuma, Polyneuropathie
  • Anämie aufgrund von Vitamin-B12-Mangel mit neurologischen Störungen
  • Borreliose
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • Multiple Sklerose
  • Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber)

Fibromyalgie: Therapie und Behandlung

Die Behandlung der Fibromyalgie orientiert sich vor allem an den bestehenden Beschwerden. Je nach Beschwerdebild werden verschiedene Bausteine in unterschiedlicher Gewichtung miteinander kombiniert. Betroffene erhalten häufig verschiedene Schmerzmittel im Rahmen der Schmerztherapie. Solch eine medikamentöse Behandlung ist jedoch auch immer mit unerwünschten Nebenwirkungen verbunden. Eine weitere medikamentöse Therapie mit Antidepressiva (z. B. Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) kann ebenfalls zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus hilft den meisten Patienten auch eine nicht-medikamentöse Behandlung, wie zum Beispiel eine physikalische Therapie oder Ernährungstherapie. Außerdem profitieren Patienten davon, wenn sie Entspannungsmethoden erlernen und zu Hause regelmäßig umsetzen.

Wirkweise von Cannabis gegen Fibromyalgie

Die Wirkstoffe in Cannabis, die Cannabinoide, wirken auf das Endocannabinoidsystem ein. Das Endocannabinoidsystem ist dabei Teil des Nervensystems. Zwei Cannabinoid-Rezeptoren (Bindungsstellen) für Endocannabinoide sind bisher bekannt (CB1 und CB2).

An die Cannabinoidrezeptoren können sowohl körpereigene Cannabinoide, als auch die Cannabinoide aus der Cannabis Pflanze wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) oder Cannabidiol (CBD) binden. Das bewirkt in den Nervenzellen eine bestimmte Reaktion.

Inzwischen weiß man, dass das Endocannabinoidsystem an zahlreichen Prozessen und Regulationen im menschlichen Körper beteiligt ist. Medizinisches Cannabis könnte demnach eine positive Wirkung haben.

Der CB1-Rezeptor findet sich im gesamten Nervensystem und einigen Organen, wie beispielsweise dem Herzen oder der Milz. Der CB2-Rezeptor befindet sich hingegen vorwiegend auf Zellen des Immunsystems und Knochenzellen. Vom CB2-Rezeptor weiß man bisher nur, dass er in die Schmerzregulation involviert ist.

Ein Mangel an körpereigenen Endocannabinoiden geht beispielsweise mit Muskelverspannungen, chronischen Schmerzen, chronischen Kopfschmerzen, Darm- und Blasenproblemen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit einher. Werden die Cannabinoide von außen zugeführt, beispielsweise durch Cannabis in Form von cannabisbasierten Arzneimitteln oder medizinischen Cannabisblüten, so kann der Mangel ausgeglichen werden und die Beschwerden bessern sich.

Bei Fibromyalgie treten alle genannten Symptome auf, sodass man inzwischen vermutet, dass die Fibromyalgie möglicherweise eine Erkrankung des Endocannabinoid-Systems sein könnte. Bewiesen ist das allerdings noch nicht. Dennoch kann das Wissen dabei helfen, Patienten zu behandeln. Denn wenn es mit medizinischen Cannabinoiden bzw. Cannabis-Medikamenten möglich ist, günstig auf die bestehenden Symptome einzuwirken, können Patienten davon stark profitieren.

Erfahrungen mit Cannabis als Medizin bei Fibromyalgie

An einer Online-Umfrage der National Pain Foundation (USA) haben im Jahr 2014 mehr als 1.300 Patienten mit Fibromyalgie teilgenommen. Cannabis wurde von mehr als 60 Prozent der Betroffenen als wirksamstes Mittel zur Behandlung der Symptome genannt. Die meisten Patienten berichteten, dass keines der verfügbaren Medikamente die Beschwerden so effektiv beseitigt oder gelindert hätte wie Cannabis.

Fibromyalgie: Cannabis-Wirkstoffe als Therapie-Option denkbar

Obwohl die genauen Wirkzusammenhänge und die Ursachen von Fibromyalgie noch nicht geklärt sind, könnte Cannabis als Medizin für Betroffene ein Segen sein. Betroffene sollten mit ihrem Arzt sprechen, um abzuklären, ob Cannabis-Arzneimittel als Therapie in Frage kommen.

Die oben genannte Umfrage unter Fibromyalgie-Patienten brachte nämlich auch zu Tage, dass die drei in den USA bei Fibromyalgie zugelassenen Medikamente bei vielen Patienten nicht wirken. Nur ca. 10 bis 40 Prozent der Befragten profitierten von den Präparaten. Eine Therapie mit Medizinal-Cannabis empfanden immerhin mehr als 60 Prozent der Betroffenen bei den Symptomen als wirksam.

 

 

 

Quellen:

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