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Rheumatoide Arthritis: Symptome, Ursachen & Therapie

Jährlich erkranken zwischen 20 und 40 von 100 000 Menschen neu an Polyarthritis oder rheumatoider Arthritis, so die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie. Patienten leiden aber nicht nur unter dem Rheuma selbst, denn Rheuma-Medikamente sind alles andere als nebenwirkungsarm. Medizinisches Cannabis kann hier eine Alternative sein. Bestätigt wird dies durch zahlreiche Studien.

Rheumatoide Arthritis: Symptome, Ursachen & Therapie

Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis wird auch als chronische Polyarthritis bezeichnet, die in den rheumatischen Formenkreis gehört. Es handelt sich hierbei um die häufigste Form von entzündlichen Gelenkserkrankungen. Dabei kann die rheumatische Erkrankung alle Gelenke, Schleimbeutel und Sehnenscheiden sowie auch Organe befallen, die von der Gelenkinnenhaut (Synovialis) ausgekleidet werden. Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Erfolgt keine adäquate Behandlung, hat dies die Zerstörung der Gelenke zufolge.

Was ist der Unterschied zwischen Arthritis und Arthrose?

Beide Erkrankungen betreffen die Gelenke und gehen mit Gelenkschmerzen einher. Dennoch handelt es sich um zwei verschiedene Krankheiten. Denn die Arthrose bezeichnet den Gelenkverschleiß, der im Laufe des Lebens eintritt. Hingegen ist die Arthritis eine Entzündung des Gelenks, die durch Krankheitserreger auftritt oder aber die Folge einer Autoimmunerkrankung ist.

In der Regel sind meist ältere Menschen von einer Arthrose betroffen, die durch eine jahrelange Über- oder Fehlbeanspruch eines oder mehrerer Gelenke auftritt. Ebenso kann sich eine Arthrose durch Übergewicht oder als Folge von Verletzungen auftreten. Hingegen ist die Arthritis an kein Lebensalter gebunden. Die Ursachen können Krankheitserreger sein, die über einen Entzündungsherd in das Blut an ein Gelenk gelangen. Das ist zum Beispiel bei der Tuberkulose oder auch im späteren Krankheitsverlauf der Syphilis der Fall. Zudem gibt es die Arthritis, die infolge einer Autoimmunreaktion entsteht.

Welche Arten von Arthritis gibt es?

Es gibt verschiedene Arthritis-Formen, denen verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Typische Symptome aller Formen sind entzündungsbedingte Schwellungen, Rötungen und Schmerzen. Die häufigste Form ist die rheumatoide Arthritis. Weitere Formen sind Gicht (Stoffwechselerkrankung), die rheumatischen Erkrankungen Morbus Bechterew, reaktive Arthritis und die Psoriasis-Arthritis.

Darüber hinaus gibt es unter anderem noch die folgenden Formen:

  • Juvenile idiopathische Arthritis: Die juvenile chronische Arthritis ist eine chronisch-entzündliche Krankheit der Gelenke im Kindesalter. Die Ursache ist unbekannt.
  • Sjögren-Syndrom (Sicca-Syndrom): Diese Autoimmunerkrankung betrifft meist nur Frauen und schädigt im Krankheitsverlauf die Speichel- und Tränendrüsen des Körpers.
  • Bakterielle Arthritis: Diese Form wird auch als septische/eitrige oder infektiöse Arthritis bezeichnet. Verursacht wird die Krankheit durch Bakterien. Auch hier gibt es verschiedene Unterformen, wie zum Beispiel die Lyme-Arthritis, die durch eine Borreliose entsteht.

Wie macht sich eine rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) bemerkbar?

Die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) verläuft sehr unterschiedlich. So kann die Erkrankung schleichend an den Hand-, Finger- und Zehengelenken beginnen. Möglich ist jedoch auch, dass die Arthritis plötzlich auftritt und größere Gelenke wie Schulter, Ellenbogen oder Knie betroffen sind. Erste Anzeichen der Erkrankung können sein:

Die rheumatoide Arthritis beginnt meist in den Fingern.

  • Gelenkschmerzen, vor allem in Ruhepositionen
  • Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten andauert
  • Bewegungseinschränkungen
  • Schwellungen in einem oder mehreren Gelenken
  • Erschöpfung und Müdigkeit
  • Nachtschweiß
  • Gewichtsabnahme
  • Fieber

Oft bleibt die Gelenkentzündung nicht auf ein oder mehrere Gelenke beschränkt. Bei ungefähr der Hälfte der Betroffenen mit rheumatoider Arthritis dehnt sich die Erkrankung auf äußere und innere Organe aus, wie zum Beispiel auf Lunge, Nieren, Leber, Magen-Darm-Trakt, Haut oder das Nervensystem.

Was passiert bei der rheumatoiden Arthritis?

Die chronische Polyarthritis beginnt damit, dass sich die Gelenkschleimhaut (Synovitis) entzündet. Im weiteren Verlauf kommt es zu einer Gelenkentzündung (Arthritis). Daraufhin entzünden sich die Schleimbeutel und die Sehnenscheiden. Infolge dessen verdickt sich die Gelenkschleimhaut. Durch die einwandernden Immunzellen sowie der Vermehrung der Bindegewebszellen entwickelt sich ein Pannus (körpereigenes Gewebe bzw. Bindegewebswucherungen). Dieser überwuchert dann den Gelenkknorpel und zerstört diesen. Außerdem kann er auch in den Knochen hineinwachsen. Letztendlich entsteht dann eine Fehlstellung und es kommt zur Versteifung der Gelenke.

Durch die Zerstörung der Gelenkschleimhaut werden weiter entzündungsfördernde Substanzen wie TNF-alpha oder Interleukin-1 freigesetzt. Hierdurch werden noch mehr Gelenkstrukturen zerstört, sodass die Entzündungsreaktion neu aufflammt.

Was sind die Ursachen von Arthritis?

Die genauen Ursachen für die rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) sind nicht bekannt. Da die Arthritis häufig innerhalb einer Familie auftritt, kann das Erbgut hier eine wichtige Rolle spielen. Außerdem konnte gezeigt werden, dass rund 70 Prozent der Betroffenen Gemeinsamkeiten in den Human Leukocyte Antigenen (HLA-Genen) aufweisen. Dabei sind HLA-Eiweiße in der Lage, Zellen entweder als körpereigen oder auch körperfremd zu markieren. Damit weiß das Immunsystem dann, welche Zellen es angreifen soll und welche nicht.

Wenn Veränderungen in den HLA-Genen vorkommen, kann das Immunsystem die Zellen nicht mehr richtig markieren, sodass auch körpereigene Zellen angegriffen werden (Autoimmunreaktion). Deshalb zählt die chronische Polyarthritis auch zu den Autoimmunerkrankungen.

Darüber hinaus können aber auch Infektionen oder Allergien als Ursache der entzündlichen Gelenkerkrankung infrage kommen. Es wird vermutet beispielsweise Rötelnviren oder Herpesviren eine rheumatoide Arthritis auslösen können. Zudem haben Raucher und übergewichtige Menschen ein erhöhtes Risiko zu erkranken.

Wie wird die Diagnose rheumatoide Arthritis gestellt?

Eine umfangreiche Untersuchung ist für die Diagnosefindung notwendig.

Die unspezifischen Symptome der entzündlich-rheumatischen Erkrankung führen Betroffene meist erst zum Hausarzt. Dieser wird zunächst die Symptome und die Krankengeschichte abfragen. Außerdem erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei der sich der Arzt zum Beispiel die Finger- und Handgelenke auf ihre Beweglichkeit hin prüft.

Der nächste Schritt ist dann eine Blutuntersuchung. Denn bestimmte veränderte Blutwerte können bereits auf eine rheumatische Arthritis hinweisen.

Wenn zum Beispiel der Wert des C-reaktiven Proteins (CRP) erhöht und die Blutsenkgeschwindigkeit (BSG) stark beschleunigt ist, liegt eine Entzündungsreaktion vor.

Häufig sind die Leukozyten (weiße Blutkörperchen), der Eisenwert sowie das Hämoglobin erniedrigt, während die Thrombozyten (Blutplättchen), der Kupferwert und die Gammaglobuline erhöht sind.

Laborwerte, die auf eine chronische Polyarthritis hinweisen können, sind der Rheumafaktor (bestimmte Antikörper, die sich bei mehr als der Hälfte der Patienten nachweisen lassen) und die Anti-CCP-Antikörper, die sich gegen cyclisches citrulliniertes Peptid richten. Oftmals lassen sich diese Antikörper schon früh bei Betroffenen mit rheumatoider Arthritis nachweisen.

Eine Blutuntersuchung ist auch deswegen wichtig, da hiermit auch überprüft werden kann, ob ggf. eine bakterielle Infektion bzw. eine infektiöse Arthritis vorliegt.

Weitere Untersuchungen für die Diagnose

Zur Diagnosefindung kommen auch bildgebende Verfahren zum Einsatz. Außerdem kann mit deren Hilfe auch das Krankheitsstadium ermittelt werden. Eine Röntgenaufnahme von Händen und Füßen kann zum Beispiel einen Knorpelschwund oder Verknöcherungen zeigen. Weitere bildgebende Verfahren, wie ein Ultraschall, eine Szintigrafie oder eine Magnetresonanztomografie können ebenfalls dabei helfen, die Diagnose zu bestätigen.

Eine umfangreiche Untersuchung ist auch deswegen notwendig, da es verschiedene Erkrankungen gibt, bei denen Gelenkbeschwerden auftreten können. Diese müssen von der rheumatoiden Arthritis abgegrenzt werden. Ähnliche Erkrankungen sind zum Beispiel Gicht, rheumatisches Fieber und Morbus Bechterew.

Wie wird die chronische Polyarthritis klassifiziert?

Im Jahr 1987 hat das American College of Rheumatology die ACR-Kriterien für die Diagnose aufgestellt. Gemeinsam mit der European League against rheumatism (EULAR) wurden jedoch im Jahr 2010 neue Kriterien erstellt:

Anzahl

Gelenkbefall

Punkte

1

mittleres/großes Gelenk

0

1

mittleres/großes Gelenk nicht symmetrisch

1

1

mittleres/großes Gelenk symmetrisch

1

1-3

kleine Gelenke

2

4-10

kleine Gelenke

3

mehr als 10

Gelenke

5

Die Labordiagnostik wird ebenfalls in die Kriterien einbezogen.

Im Rahmen der ACR-EULAR-Klassifikationskriterien werden Punkte noch hinzugerechnet, und zwar 2 Punkte, wenn RF und/oder ACPA schwach positiv sind sowie 3 Punkte, wenn RF und/oder ACPA stark positiv sind. Zudem kommt 1 Punkt hinzu, wenn der CRP- und/oder BSG erhöht ist. Ein weiterer Punkt kommt hinzu, wenn die Beschwerden seit mehr als sechs Wochen bestehen. Erreicht ein Patient sechs Punkte, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine rheumatoide Arthritis vor.

Therapie und Behandlung der Arthritis

Die Therapie bei rheumatoider Arthritis zielt darauf ab, die Gelenkentzündung zu bekämpfen, die Schmerzen zu lindern und die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke zu erhalten. Um die Entzündungen in den betroffenen Gelenken einzudämmen, verordnen Ärzte oft entzündungshemmende Medikamente (krankheitsmodifizierenden Medikamente), und zwar die nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Hierzu gehören beispielsweise Ibuprofen, Naproxen und Diclofenac. Dabei sollen NSAR nicht nur die Entzündungen hemmen, sondern auch die starken Schmerzen lindern.

Chronische Polyarthritis: Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz.

Innerhalb der NSRA gibt es unterschiedliche Untergruppen, die Anwendung finden können. Hierzu gehören beispielsweise Cox-2-Hemmer (Etoricoxib, Celecoxib, Parecoxib) und Salicylate (Acetylsalicylsäure).

Während nicht-steroidale Antirheumatika bei einem akuten Schub hilfreich sein können, sind sie für eine längerfristige Einnahme nicht geeignet. Denn die NSAR können starke Nebenwirkungen hervorrufen wie Magen-Darm-Beschwerden, Übelkeit und Erbrechen. Zudem können sich Magen-Darm-Geschwüre bilden.

Zu den klassischen Basismedikamenten gehört auch das Kortison (Glukokortikoide). Aber auch Kortison ist nicht für eine längerfristige Einnahme geeignet. Denn mit der Zeit erhöht sich das Risiko für Osteoporose, weshalb Ärzte ihren Patienten oft noch zusätzlich Vitamin-D- und Kalzium-Präparate verordnen. Zudem erhöht sich unter der Kortison-Anwendung das Infektionsrisiko.

Medikamentöse Behandlung mit Methotrexat (MTX) bei chronischer Polyarthritis

Ein Rheuma-Medikament, das auch bei einer langfristigen Einnahme Anwendung findet, ist Methotrexat. Da es jedoch mehrere Wochen dauert, bis das Arzneimittel seine Wirkung entfaltet, erhalten Patienten während dieser Zeit in der Regel Kortison.

Das überschießende Immunsystem wird durch MTX gedrosselt. Infolge dessen sollen weniger Schübe auftreten. Allerdings ist das Medikament nicht nebenwirkungsfrei. Neben Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall zählen auch eine erhöhte Infektanfälligkeit, Nieren-/Blasen Schädigungen, Entzündungen der Schleimhäute und Lungenfibrose zu den Nebenwirkungen.

Wenn sich die Symptome nach sechs Wochen Einnahme nicht verbessern, erfolgt eine Erhöhung der Dosis. Sollte sich dann nach zwölf Wochen immer noch keine positive Wirkung gezeigt haben, können Ärzte das MTX mit anderen Medikamenten kombinieren. Eine Kombination wäre hier MTX, Hydroxychloroquin und Sulfasalazin. Möglich wäre auch eine Kombination aus MTX mit Leuflunomid oder Ciclosporin.

Studie mit Methotrexat

Forscher der University of Texas werteten im Jahr 2014 Studien zu Methotrexat aus und kamen zu dem Ergebnis, dass bei 23 von 100 Patienten, die das Polyarthritis-Medikament einnahmen, die Beschwerden um die Hälfte zurückgingen. Bei 8 von 100 Patienten, die ein Placebo bekamen, gingen die Symptome der rheumatoiden Arthritis / Polyarthritis im gleichen Ausmaß zurück. Das heißt, dass es nur 15 von 100 Polyarthritis-Patienten mit dem Medikament deutlich besser ging.

Medikamentöse Therapie mit Biologika bei chronischer Polyarthritis

Wenn sich nach sechs Wochen noch immer kein Behandlungserfolg abzeichnet, kommen die Biologika zum Einsatz, die ebenfalls mit MTX-Medikamenten kombiniert werden können. Es handelt sich hierbei um biotechnologisch hergestellte Eiweiße. Diese greifen in die immunologischen Vorgänge des Körpers ein. Zu den Biologika gehören:

  • Tumor-Nekrose-Faktor-Alpha Hemmer (TNF-Blocker) wie Infliximab oder Adalimumab
  • T-Zellen Aktivierungshemmer wie Abatacept
  • B-Zellen Antikörper wie Rituximab
  • Interleukin-6 Antikörper wie Tocilizumab
  • Interleukin-1 Konkurrenten wie Anakinra

Grundsätzlich reagiert jeder Patient anders auf diese Wirkstoffe, weshalb es oft notwendig ist, verschiedene Wirkstoffe auszuprobieren. Meist findet sich erst nach einiger Zeit die richtige Medikamentenkombination und die Erhaltungsdosis, um die Krankheit in Schach zu halten.

Studie mit Biologika

Wissenschaftler des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) werteten die Ergebnisse von 35 Studien aus, in denen Arthritis-Patienten die in Deutschland zugelassenen Biologika erhielten.

Im Ergebnis heißt es, dass es bei 7 von 100 Patienten, die den Wirkstoff Adalimumab im Rahmen ihrer Therapie bekamen, zu einer Linderung der Beschwerden kam. Weiter heißt es, dass 23 von 100 Menschen, die mit Adalimumab und Methotrexat behandelt wurden, innerhalb eines Jahres eine Besserung der Symptome bei einer Arthritis verzeichneten. Demzufolge konnte Adalimumab nur 16 von 100 Patienten tatsächlich helfen.

Invasive Therapie bei rheumatoider Arthritis

Bei rheumatoider Arthritis mit schwerem Verlauf können auch invasive Therapie zum Einsatz kommen. Wenn ein Gelenk durch die Krankheit zerstört wurde, kann es in einigen Fällen durch eine Prothese ersetzt werden. Um die entzündeten Gelenke zu entlasten, kann es auch helfen, die Gelenkschleimhaut durch einen operativen Eingriff zu entfernen.

Sollte die Gelenkentzündung sehr stark ausgeprägt sein, kann eine Radiosynoviorthese eine medizinische Therapie-Maßnahme sein. Hier wird in das betroffene Gelenk eine radioaktive Substanz eingebracht, womit nach einigen Monaten die Schmerzen nachlassen.

Darüber hinaus kann eine Gelenkpunktion dabei helfen, Flüssigkeit abzulassen, wenn es zu einem Erguss gekommen ist. Auch hiermit können die Schmerzen gelindert werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung bei Arthritis

Physikalische Therapien können Arthritis-Patienten helfen.

Physikalische Therapien wie Krankengymnastik und Ergotherapie können dabei helfen, die schmerzenden Gelenke zu entlasten. Außerdem lässt sich die Beweglichkeit verbessern, um Fehlstellungen vorzubeugen. Eine weitere Unterstützung kann die Thermotherapie sein, die vor allem bei akuter Arthritis eine gute Wirksamkeit gezeigt hat.

Allerdings ist diese Behandlung nicht für Menschen geeignet, die an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung leiden.

 

Darüber hinaus profitieren einige Betroffene auch von der alternativen Medizin. Homöopathische Medikamente können nach Absprache mit dem Arzt auch neben den klassischen Arzneimitteln im Rahmen der Behandlung eingesetzt werden. Außerdem werden verschiedenen Pflanzen wie der Brennnessel, der Weidenrinde, der Teufelskralle sowie dem Weihrauch entzündungshemmende und schmerzlindernde Eigenschaften zugeschrieben.

Ernährung bei rheumatoider Arthritis

Patienten können von einer fleisch- und milcharmen Ernährung profitieren. Denn Fleisch und Milchprodukte enthalten hohe Mengen an Arachidonsäure. Diese ist ein wichtiger Baustein für die Prostaglandine (Schmerz-/Entzündungssubstanzen). Der Eiweißbedarf kann hingegen über pflanzliches Eiweiß und Fisch gedeckt werden.

Des Weiteren können auch mehrfach ungesättigte Fettsäuren die Arachidonsäure-Produktion hemmen. Hierzu gehören auch die Omega-3-Fettsäuren, die zum Beispiel in Hanföl und Fischöl enthalten ist.

Betroffene, die unter einer Rheuma Erkrankung leiden, finden Hilfe und Unterstützung bei der Deutschen Rheuma-Liga.

Cannabis als Medizin bei rheumatoider Arthritis (chronischer Polyarthritis)

Die Hanfpflanze (Cannabis-Pflanze) wird seit über 4500 Jahren für medizinische Zwecke genutzt. Bereits die alten Chinesen nutzten Hanf unter anderem gegen Rheuma und Entzündungen. Aber auch im Mittelalter sowie in der Neuzeit war Hanf eines der wichtigsten Naturheilmittel.

Dank der modernen wissenschaftlichen Forschung wird immer mehr über die Wirkweisen der Cannabinoide wie Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) bekannt. So weiß man inzwischen, dass die Cannabinoide aus der Cannabis-Pflanze an die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 im Endocannabinoid-System binden, umso ihre Wirkung entfalten zu können.

Während sich CB1-Rezeptoren hauptsächlich in den Nervenzellen des Kleinhirns, der Basalganglien und dem Hippocampus sowie im peripheren Nervensystem (z. B. im Darm) befinden, liegen die Cannabinoid-Rezeptoren-2 vorwiegend auf den Zellen des Immunsystems sowie auf den Zellen, die am Aufbau und dem Abbau von Knochen beteiligt sind. Gerade der CB2-Rezeptor spielt bei der Unterdrückung von Entzündungen eine bedeutende Rolle. Durch die Aktivierung dieser Rezeptoren mittels zugeführter cannabisbasierter Arzneimittel oder medizinischer Cannabisblüten, kann unter anderem verhindert werden, die Zellen weniger Zytokine (entzündungsfördernde Signalstoffe) ausschütten.

Endocannabinoide regulieren Entzündungsprozesse

Schon im Jahr 2007 belegte das Universitätsklinikum Bonn, dass Endocannabinoide bei Entzündungsvorgängen eine regulierende Rolle einnehmen. Die Forscher fanden heraus, dass die körpereigenen Cannabinoide verhindern, dass das Immunsystem außer Kontrolle gerät. In einem Test wurde den Versuchsmäusen eine THC-Lösung (Dronabinol) und anschließend ein Allergen auf die Haut aufgetragen. Die Schwellung fiel deutlich geringer aus als normal, da THC an die Cannabinoid-Rezeptoren bindet und diese aktiviert. Infolge dessen minderte THC die allergische Reaktion.

Cannabinoidrezeptoren haben sich als Ziel für die Behandlung einer rheumatoiden Arthritis gezeigt.

Die Thesen der Forscher wurden ein Jahr später unter anderem von der University of Nottingham bestätigt. Auch hier haben sich die Cannabinoidrezeptoren als Ziel für die Behandlung einer rheumatoiden Arthritis als vielversprechend herausgestellt.

Lesen Sie hier mehr zu Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis und Medizinalcannabis.

Cannabidiol (CBD) besitzt entzündungshemmendes Potenzial

Das Cannabinoid Cannabidiol (CBD) rückt wegen seiner möglichen Wirksamkeit als anti-arthritischer Arzneistoff ohne den psychoaktiven Effekt immer mehr in den Fokus der Wissenschaft.

Im Jahr 2000 zeigten die Forscher des Kennedy Institute of Rheumatology in Großbritannien das therapeutische Potenzial von CBD als anti-arthritisches Mittel. Auch eine aktuellere Studie aus dem Jahr 2015 am Institute for Drug Research in London kommt zu dem Schluss, dass cannabisbasierte Arzneimittel oder medizinische Cannabisblüten, insbesondere mit einem hohen THC-Gehalt, ein potenzielles neues Medikament für die chronische Arthritis sein könnte.

Einsatz von Cannabis als Medizin in der Therapie

„Die Welt“ berichtete im Jahr 2015, dass jedes Jahr bis zu 60.000 Deutsche an den Nebenwirkungen von Medikamenten wie Schmerzmitteln sterben. Es sterben also mehr Menschen an den Nebenwirkungen von Arzneimitteln als bei Straßenverkehrsunfällen.

Erschreckend sind auch die Zahlen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS): Bis 1,9 Millionen Deutsche sind abhängig von Medikamenten. Im Vergleich dazu: Rund 1,77 Millionen Menschen gelten als alkoholabhängig.

Medizinische Cannabis kann als entzündungshemmendes Medikament therapeutische Vorteile im Vergleich zur klassischen Medikamenten-Behandlung haben. Einer dieser Vorteile ist die geringe Toleranzentwicklung bei den Cannabis-Medikamenten. Wenn Patienten im Rahmen ihrer Therapie Schmerzmedikamente über einen längeren Zeitraum einnehmen, müssen sie die Dosis irgendwann erhöhen, um die gleichbleibende Schmerzlinderung zu erfahren. Eine Dosiserhöhung ist bei der Cannabis-Behandlung in der Regel nicht notwendig. Auch bei längerer Einnahme lässt die schmerzhemmende Wirkung des Medizinal-Cannabis nicht nach.

Ein weiterer Vorteil gegenüber herkömmlichen Schmerzmitteln besteht darin, dass medizinisches Cannabis weitaus nebenwirkungsärmer ist.

Die Wirkungsmechanismen durch Cannabis in Bezug auf chronische Schmerzen sind sehr gut erforscht. Im Deutschen Ärzteblatt wurde berichtet, dass medizinisches Cannabis besonders bei chronischen neuropathischen Schmerzen, wie zum Beispiel im Rahmen einer Multipler Sklerose Erkrankung, wirksam sein kann. Genannt werden hier auch wissenschaftliche Studien, die Hinweise darauf geben, dass medizinisches Cannabis auch bei Schmerzen hilfreich sein, die durch Rheuma bzw. Arthritis oder eine Fibromyalgie ausgelöst werden. Auch dies zeigt das vielfältige Wirkungsspektrum von Cannabis als Medizin.

Informationen zu den Darreichungsformen von medizinischem Cannabis (Fertigarzneimittel, Rezepturarzneimittel, Cannabisblüten) finden Sie in diesem Artikel.

 

 

 Hinweis: In diesem Artikel berichten wir über rezeptpflichtiges CBD oder auch Cannabidiol. Dieser Artikel macht zur möglichen Zweckbestimmung keinerlei Vorschlag. Nutzversprechen bleiben den Apothekern überlassen.

 

 

 

Quellen:

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