Terpene und ihre medizinischen Eigenschaften

Autor: Gesa Riedewald

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Sie bestimmen den Duft und Geschmack von Pflanzen – Terpene. In Cannabispflanzen steckt eine große Zahl dieser Stoffe, die verschiedenste therapeutische Eigenschaften haben. Manche wirken antibakteriell, andere helfen bei Ängsten oder lösen Krämpfe. In der Cannabisblüte verstärken sie die Wirkung der Cannabinoide – und machen so die medizinische Gesamtwirkung aus. Die bislang nicht sehr weit erforschten Terpene besitzen einen äußerst vielversprechenden medizinischen Nutzen.

Terpene und ihre medizinischen Eigenschaften

Was sind Terpene?

Terpene sind sogenannte sekundäre Inhaltsstoffe, die in Organismen natürlich vorkommen. Die allermeisten Terpene sind pflanzlichen Ursprungs, aber es gibt auch einige wenige tierischen Ursprungs. Die Inhaltsstoffe können unter anderem als pflanzliche Sekundärstoffe, Vitamine oder Pheromone vorkommen. Die Gruppe ist sehr groß und äußerst divers.

Terpene sind für den Duft und den Geschmack von Pflanzen verantwortlich. So definiert die Kombination der verschiedenen Terpene, die in einem Organismus vorhanden sind, die Duftnote der Pflanze – auch bei Cannabispflanzen.

Seit dem Altertum werden Terpene aus zahlreichen Pflanzen gewonnen, wie beispielsweise aus Lemongras, Thymian, Pfefferminze und Eukalyptus. Einige Terpene gehören zur Gruppe der Alkohole, wie beispielsweise Menthol, andere sind Aldehyde. Aufgrund der großen Zahl an Terpenen und ihrer vielfältigen Strukturvarianten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, diese Stoffe zu klassifizieren. Die Wissenschaft kennt über 8.000 Terpene und über 30.000 der nahen verwandten Terpenoide.

Welche Aufgaben haben sie im Cannabis?

Terpene werden in den Trichomen der Cannabispflanzen hergestellt. Trichome sind die glänzenden, klebrigen, pilzförmigen Kristalle, die auf den Blättern und Knospen sitzen. Diese Trichome wirken als Abwehrmechanismus in der Natur und schützen die Pflanze. So übernehmen Terpene einerseits die Aufgabe, die Pflanze vor Bakterien, Pilzen, Fressfeinden und anderen umweltbedingten Stressfaktoren zu schützen. Andererseits sollen sie bestäubende Insekten anlocken. Daher finden sich Terpene auch in besonders starker Konzentration in den Blüten weiblicher, unbefruchteter Cannabispflanzen.

Die Menge und Zusammensetzung der aromatischen Inhaltsstoffe hängt von der Genetik und den Anbaubedingungen der Cannabispflanzen ab. Obwohl die exakte Zusammensetzung der Terpene von Pflanze zu Pflanze einzigartig ist, ähneln sich Exemplare derselben Sorte. Das liegt daran, dass die Kombination der Duftstoffe unter Verwandten derselben Genetik sehr ähnlich ist.

Terpene – aromatische Wirkstoffe

Jede Cannabissorte besitzt also ein einzigartiges Profil von Terpenen. Wissenschaftler gehen davon aus, dass unabhängig von den Cannabinoiden auch Terpene medizinische Eigenschaften aufweisen.

Terpene sind Moleküle in der Größe von Nanopartikeln. Sie können problemlos die Blut-Hirn-Schranke überwinden. So können sie direkt ins zentrale Nervensystem einwirken.

Die Eigenschaften sind teilweise ganz unterschiedlich. Myrcen kann beispielsweise eine beruhigende Wirkung hervorrufen, während Pinen die Konzentration begünstigt. Einigen Terpenen wurden im Tierversuch antimikrobielle und anticancerogene Wirkungen nachgewiesen, wie Limonen. Anticancerogene Substanzen können die Entstehung von Krebs verhindern oder zumindest hinauszögern.

Bisher wenig wissenschaftliche Evidenz

Generell ist die Wirkweise von Terpenen bisher noch nicht sehr umfangreich erforscht. Obwohl bereits einige Studien durchgeführt wurden, ist noch unzureichende wissenschaftliche Evidenz vorhanden, um die therapeutischen Wirkungen der Duftstoffe zu belegen.

Weitere Studien werden der zukünftigen Cannabisforschung hoffentlich mehr Erkenntnisse über den therapeutischen Nutzen dieser Inhaltsstoffe liefern. Diese von der Forschung lange vernachlässigten Bestandteile der Cannabispflanze bieten wichtige therapeutische Eigenschaften. Und das nicht in isolierter Form – anscheinend interagieren sie mit den Cannabinoiden in unserem Körper.

Terpene und Cannabinoide spielen zusammen

Studien haben aufgezeigt, dass Terpene zum sogenannten “Entourage-Effekt” beitragen. Das bedeutet, dass die Inhaltsstoffe die therapeutische Wirkung von anderen Bestandteilen, insbesondere der Cannabinoide, verstärken können. Es besteht also eine interaktive Synergie zwischen den Bestandteilen der Cannabisblüten.

Der Neurowissenschaftler Dr. Ethan Russo hat sich eingehend mit der Wirkung von Terpenen beschäftigt. Es belegte den Effekt von Terpenen auf Mäuse. Darüber hinaus zeigte Russo in einer Studie, dass Terpene die nachteiligen Auswirkungen von THC mildern und somit die therapeutische Wirksamkeit des Cannabinoids begünstigen. Russo geht davon aus, dass das Zusammenwirken von Cannabinoiden und Terpenen die heilenden Eigenschaften des Cannabis verstärkt.

Die unterschiedliche Wirkweise der verschiedenen Cannabisblüten beruht also nicht nur auf dem unterschiedlichen Gehalt an Cannabinoiden, sondern auch auf den Unterschieden in der Zusammensetzung der Terpene. Wie der Cannabis-Arzt Dr. Franjo Grotenhermen erklärt, besitzt jede Cannabissorte ihr eigenes chemisches Profil aus Cannabinoiden und Terpenen – ihren eigenen “Fingerabdruck”. Und dieser macht die medizinische Gesamtwirkung aus.

Der Entourage-Effekt, den Cannabisblüten mit ihren unterschiedlichen Inhaltsstoffen besitzen, zeigt ihr besonderes medizinisches Potenzial. Durch die Kombination der unterschiedlichen Wirkstofffe wird ein optimiertes Ergebnis erzielt. Reines synthetisiertes THC, ohne Terpene, besitzt diesen Synergie-Effekt nicht.

Die wichtigsten Terpene der Cannabispflanzen und ihre Wirkung

Es gibt über 100 verschiedene identifizierte Terpene in der Cannabispflanze. Obwohl die Unterschiede subtil sein können, wurden große Fortschritte darin gemacht, die Klassifizierung der Duftstoffe und deren Auswirkungen für Patienten und Konsumenten leichter verständlich zu machen.

Generell können die Inhaltsstoffe in süß, sauer, würzig oder bitter aufgeteilt werden – wobei jede Kategorie weiter in spezifische Gerüche zerfällt. Diese Gerüche bestehen aus bestimmten Stämmen, die wiederum mit den Wirkungen der Pflanzen korrelieren.

In der Tabelle finden sich die wichtigsten Terpene der Cannabispflanze und welche therapeutische Wirkung ihnen zugeschrieben wird.

TerpeneEffekteVorkommenMedizinische Wirkung
CaryophyllenPfeffer, Oregano, Basilikum, Nelken, HopfenAntioxidationsmittel, entzündungshemmend, lindert Schlaflosigkeit, schmerzlindernd, krampflösend
Humulenunterdrückt AppetitHopfen, Korianderentzündungshemmend, antibakteriell, schmerzlindernd
Limonenstimmungsaufhellend, stressabbauendZitrusfrüchte, Wacholder, Minzeangstlösend, antidepressiv, antimykotisch, reguliert die Magensäure, anticancerogen
LinaloolberuhigendLavendel, Zitrus, Lorbeer, Birke, Rosenholzlindert Schlaflosigkeit, angstlösend, lindert Stress,  schmerzlindernd, krampflösend
Myrcenentspannend, erhöht die psychotrope Wirkung von THCMango, Thymian, Zitrusfrüchte, Zitronella, Lorbeerblätterantibakteriell, antiseptisch, antimykotisch, entzündungshemmend
Pinenverbessert die Aufmerksamkeit und KonzentrationKiefern, Salbeientzündungshemmend, erweitert die Bronchien

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Fazit

Soweit wir heute wissen, ist die potenzielle Wirkung von Terpenen äußerst vielversprechend. Diese organischen, natürlich vorkommenden Verbindungen bieten einen großen medizinischen Nutzen für Cannabispatienten. Sie werden seit Tausenden von Jahren von Kulturen auf der ganzen Welt aufgrund ihrer heilenden Eigenschaften verwendet.

Aber der Schlüssel liegt nicht in den Terpenen allein, sondern in der Wechselwirkung mit den anderen Wirkstoffen der Cannabispflanzen. Cannabinoide und Terpene gehen eine Synergie ein, durch die beide ihre spezielle Wirkung entfalten – je nach Kombination der Inhaltsstoffe.

Wissenschaftler nennen das den Entourage-Effekt. Oder, um es mit Aristoteles zu sagen: „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Mit dem Voranschreiten der Cannabisforschung werden auch mehr Informationen über die Vorteile der Cannabispflanzen bekannt werden. Dank Terpenen werden voraussichtlich völlig neue wissenschaftliche und medizinische Bereiche in der Cannabisforschung erschlossen werden.

Laut Dr. Ethan Russo könnten positive Forschungsergebnisse in Sachen Terpenen zu neuen Ansätzen für solche Störungen wie behandlungsresistente Depressionen, Angst, Demenz und einer Vielzahl dermatologischer Erkrankungen führen:

“Eine bessere Zukunft durch Cannabis-Phytochemie könnte ein erreichbares Ziel sein, wenn man die Entourage-Wirkung in dieser vielseitigen Pflanze erforscht, die ihr helfen könnte, ihr Versprechen als pharmakologische Fundgrube zu erfüllen”, so Russo.

Quellen:

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