Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Medikamenten

Autor: Alexandra Latour

Verõffentlicht am: 7. Februar 2018

Geändert am: 7. Februar 2018

Aufgrund des steigenden Einsatzes von Cannabis als Medizin stellt sich für Ärzte und Patienten häufig die Frage nach den Wechselwirkungen, wenn Cannabis mit Medikamenten eingenommen wird. Leafly.de hat die wichtigsten bekannten Informationen zu den Wechselwirkungen zusammengetragen.

Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Medikamenten

Cannabis als Medizin wurde bereits mit zahlreichen Medikamenten kombiniert, ohne dass starke Wechselwirkungen registriert wurden. Bekannt ist aber, dass Cannabis bestimmte Medikamentenwirkungen verstärken oder hemmen kann. Bei bestimmten Kombinationen kann dies ein erwünschter Effekt sein, während bei anderen eher Vorsicht geboten ist.

Cannabis und seine Wirkungsdauer

Die Wirkungsdauer hängt vor allem davon ab, wie Cannabis verwendet wird. Beim Rauchen und Verdampfen entfaltet sich die Wirkung innerhalb weniger Minuten und hält ungefähr zwei bis vier Stunden an. Beim Verzehr von Cannabis tritt die Wirkung je nach Füllzustand des Magens erst zwischen 30 und 120 Minuten ein und kann vier bis zwölf Stunden anhalten.

Cannabis und Schmerzmittel

Pharmazeutisches Cannabis kann sich positiv auf chronische Schmerzen auswirken, was zahlreiche Studien mittlerweile belegen können. Auch ist bekannt, dass Cannabis die schmerzlindernde Wirkung von Opiaten und Opioiden verstärken kann. Leafly hat hierzu bereits ausführlich in diesem Beitrag berichtet. Durch die Kombination von Schmerzmitteln und Cannabis kann also eine positive Wechselwirkung entstehen. In Studien konnte gezeigt werden, dass Probanden mit chronischen Schmerzen, die gleichzeitig Schmerzmittel und Medizinalhanf einnahmen, die Dosis der Schmerzmittel reduzieren konnten. Außerdem kann Cannabis der durch Schmerzmittel hervorgerufenen Übelkeit entgegenwirken. Da Schmerzmittel auf unterschiedliche Weisen wirken, ist jedoch eine allgemeingültige Aussage noch schwierig. Die Einnahme von Schmerzmitteln in Kombination mit Cannabis sollte nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Cannabis in Kombination mit Beruhigungs- und Schlafmitteln

Bei der gleichzeitigen Einnahme von Medizinalhanf sowie Beruhigungs- und Schlafmitteln ist Vorsicht geboten, da es hier zu einer Wirkungsverstärkung in Form von erhöhter Benommenheit und Schwindel kommen kann. Das Gleiche gilt für Medikamente, die eine muskelerschlaffende Wirkung haben. Hierdurch ergibt sich eine erhöhte Sturzgefahr. Die gleichzeitige Einnahme von diesen Medikamenten und Cannabis sollte nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Wechselwirkungen zwischen Cannabis und Blutdruck-Medikamenten

Wie sich der Cannabis-Konsum auf das Herz-Kreislaufsystem und den Blutdruck auswirkt, ist gut erforscht. THC kann sowohl die Herzfrequenz als auch den Blutdruck beeinflussen. Der Blutdruck kann im Liegen leicht ansteigen, während er im Stehen abfallen kann, weshalb häufig Schwindel auftritt. Einem gesunden Menschen macht dies in aller Regel nichts aus. Wenn jedoch eine Herzkreislauferkrankung oder Herzerkrankung besteht, ist generell Vorsicht geboten.

Auf der anderen Seite finden sich Studien und Belege, die darauf hinweisen, dass die Cannabinoide aus der Cannabispflanze eine blutdrucksenkende Wirkung haben können. Leafly hat hierzu schon ausführlich berichtet. Es wird dringend davon abgeraten, Blutdruck-Medikamente eigenmächtig abzusetzen!

Wenn Cannabis als Medizin mit Blutdruck-Medikamenten (Antihypertensiva) kombiniert wird, kann es zu einer Wechselwirkung kommen, insbesondere wenn der THC-Gehalt sehr hoch ist. Eines der Hauptmerkmale des THC ist, dass durch die Aktivierung der CB1- und CB2-Rezeptoren das Herz-Kreislaufsystem beeinflusst wird und der Sauerstoffverbrauch erhöht wird. Gleichzeitig kann der Blutfluss in den Herzkranzgefäßen herabgesetzt werden. Cannabispatienten sollten hier das Gespräch mit ihrem zuständigen Arzt suchen und den Blutdruck regelmäßig kontrollieren lassen.

Wechselwirkungen zwischen Cannabis und gerinnungshemmenden Medikamenten

Die Wirkung von Cannabis auf die Blutgerinnung ist im Allgemeinen gering. Nachgewiesen wurde, dass Cannabis in hohen Dosen gerinnungshemmende, also vermindertes Verklumpen der Blutplättchen, sowie gerinnungsfördernde Eigenschaften haben kann. Bekannt ist ein Fall aus Großbritannien: Der Patient konsumierte hohe Mengen an Cannabis und Tabak und nahm gleichzeitig Warfarin (ein Medikament zur Hemmung der Blutgerinnung) sowie weitere zehn Medikamente ein. Hier kam es tatsächlich zu einer deutlichen Verringerung der Blutgerinnungsfähigkeit.

Im Allgemeinen sind jedoch keine Wechselwirkungen zu erwarten. Dennoch sind in Einzelfällen Wirkungen möglich, weshalb immer Rücksprache mit dem zuständigen Arzt gehalten werden sollte.

Einfluss auf den Blutzuckerspiegel

Bei der Regulierung des Blutzuckerspiegels spielt das Endocannabinoidsystem eine wichtige Rolle und da die Wirkstoffe von Cannabis an die Cannabinoidrezeptoren andocken, kann es zu einer Wechselwirkung kommen, wenn Medikamente zur Blutzuckerkontrolle eingenommen werden. Bei der Behandlung von Diabetes kommt beispielsweise häufig das Arzneimittel Metformin zum Einsatz, dessen Wirkung durch die gleichzeitige Einnahme von Cannabis reduziert werden kann. Aus diesem Grund ist es wichtig, Rücksprache mit dem Arzt zu halten. Zudem werden engmaschige Blutzuckerkontrollen empfohlen.

Wechselwirkungen zwischen Antidepressiva und Cannabis

Es existieren einige wenige Studien, in denen belegt werden konnte, dass THC die Wirkung von Antidepressiva, insbesondere der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin, Paroxetin oder Sertralin verstärken können. Trizyklische Antidepressiva wie Amitryptillin können zudem die blutdrucksenkenden, herzfrequenzsteigernden und beruhigenden Effekte verstärken. Das Risiko für Wechselwirkungen zwischen Antidepressiva und Cannabis wird zwar als gering bis moderat eingestuft, dennoch sollten Patienten Cannabisprodukte nur in Absprache mit ihrem Arzt mit Antidepressiva kombinieren.

Cannabis und Neuroleptika

Ebenso wie Antidepressiva beeinflussen auch Neuroleptika (Antipsychotika) die Übertragungsvorgänge von diversen Botenstoffen im Gehirn. Es existieren allerdings kaum wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse darüber, wie sich Neuroleptika und THC gegenseitig beeinflussen. Es wird angenommen, dass THC die antipsychotische Wirkung hemmen und auf der anderen Seite die durch Neuroleptika ausgelösten Bewegungsstörungen reduzieren kann. Eine gleichzeitige Einnahme sollte nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen.

Antibiotika und Cannabis

In der Literatur finden sich keine Hinweise darauf, dass es zwischen Cannabis und Antibiotika eine Wechselwirkung geben könnte. Dennoch sollten sich Cannabispatienten bei ihrem Arzt über mögliche Wechselwirkungen erkundigen, wenn dieser ein Antibiotikum verschreibt.

Zur Information sei noch gesagt, dass Cannabis eine antibiotische Wirkung nachgesagt wird. So heißt es beispielsweise in einer Studie der Universita del Piemonte Orientale in Novara, dass sich die Cannabinoide THC, CBD, CBC, CBN und CBG aus der Cannabispflanze als wirksames Mittel gegen Bakterien, den sogenannten „Superbugs“ (z. B. EMERSA-15 und EMERSA-16), die besonders häufig in Krankenhäusern auftreten, herausgestellt haben. Gegenüber Antibiotika sind diese Bakterien äußerst widerstandsfähig. Der genaue Wirkungsmechanismus ist jedoch noch unklar. Cannabis ist aber bei bakteriellen Infektionskrankheiten keinesfalls ein Ersatz für Antibiotikum.

Wechselwirkung zwischen Cannabis und Narkose

In einer älteren Studie aus dem Jahr 1999, die an der University of Newcastle durchgeführt wurde, heißt es, dass Cannabinoide Wechselwirkungen mit verschiedenen Anästhetika aufweisen können. In Tierversuchen konnten nachgewiesen werden, dass die Wirkung der Anästhetika durch das THC und den CB1-Rezeptor-Agonisten verstärkt wurden. Zwischen dem Anästhetikum Propofol und Cannabinoiden wurde diese Interaktion bestätigt. Bei Mäusen wurde nach der Injektion von Propofol ein Anstieg der Endocannabinoid-Konzentration im Gehirn beobachtet, vermutlich durch die Hemmung des Endocannabinoid-Metabolismus.

Es liegen nur wenige kontrollierte Studien über die Auswirkungen von Cannabis auf die Anästhesie vor. Problematisch ist zudem, dass die vorliegenden Studien THC als Reinsubstanz verwendet haben und deshalb nur bedingt Aussagen in Bezug auf die Wechselwirkungen getroffen werden können.

Die Auswahl der Narkosepharmaka richtet sich stets nach dem geplanten Eingriff und den organischen Vorschäden sowie Erkrankungen des Patienten. Vor einer Narkose wird der Anästhesist dem Patienten Fragen zum physischen und psychischen Gesundheitszustand stellen. Cannabispatienten sollten dann anführen, in welcher Form und in welcher Dosierung sie Medizinalhanf verwenden.

Cannabis: Wechselwirkung mit der Anti-Baby-Pille

Ob die Inhaltsstoffe von Cannabis die Wirkung der Antibabypille beeinträchtigen, kann nicht mit hundertprozentiger Sicherheit gesagt werden. Jedoch ist eine Wechselwirkung unwahrscheinlich.

Beim Erstkonsum oder auch bei einer Überdosierung von Cannabis kann es zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Wenn ungefähr zwei bis drei Stunden nach der Einnahme der Antibabypille erbrochen wird, kann dies sehr wohl die Wirkung der Pille beeinflussen, da die Wirkstoffe in Teilen oder komplett ausgeschieden werden, bevor sie über den Verdauungstrakt aufgenommen werden konnten. Infolge dessen ist die Wirkung abgeschwächt oder wirkungslos.

Cannabis und Alkohol

Die gleichzeitige Einnahme von Cannabis und Alkohol stellt eine hohe Belastung für den Körper dar. Infolge dessen können sich folgende Symptome äußern:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herz-Kreislauf-Probleme
  • Kontrollverlust
  • stark beeinträchtigte Orientierungsfähigkeit
  • stark beeinträchtigtes Reaktionsvermögen

In Einzelfällen kommt es zudem zu Halluzinationen oder weiteren psychischen Problemen.

Von der Kombination Cannabis mit Alkohol ist dringend abzuraten!

Quellen:

International Association for Cannabinoid Medicines, „Wechselwirkungen: Gibt es Wechselwirkungen zwischen Cannabis bzw. THC und anderen Medikamenten?

Deutsches Ärzteblatt, Grotenhermen, Franjo; Müller-Vahl, Kirsten, 2012, „Das therapeutische Potenzial von Cannabis und Cannabinoiden

Department of Clinical Chemistry and Haematology, Utrecht University Medical Center, Utrecht, The Netherlands, De Angelis V1 et al., 2014, “Endocannabinoids control platelet activation and limit aggregate formation under flow

Institute for Prevention of Cardiovascular Diseases, Ludwig Maximilians University of Munich , Munich , Germany, Brantl SA1 et al., 2014, “Mechanism of platelet activation induced by endocannabinoids in blood and plasma

Dipartimento di Scienze Chimiche, Alimentari, Farmaceutiche e Farmacologiche, Università del Piemonte Orientale, 28100 Novara, The School of Pharmacy, University of London, 29-39 Brunswick Square, London WC1N 1AX, U.K., Giovanni Apendino et al., 2008, “Antibacterial Cannabinoids from Cannabis sativa: A Structure−Activity Study

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